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Die Wischdesinfektion gehört zu den Hygienemaßnahmen, deren Bedeutung erst auffällt, wenn sie nicht funktioniert. Eine Behandlungsliege, ein Stethoskop, ein Touchscreen am Patientenmonitor, der Türgriff zum Behandlungsraum – auf jeder dieser Flächen sammeln sich im Laufe eines Tages Erreger, die je nach Patientenkontakt unterschiedlich kritisch sind. Die Wischdesinfektion ist das Werkzeug, mit dem diese Erreger reduziert werden. Die spannende Frage: Wie verlässlich tut sie das?
Die Antwort liegt in einer Norm, die in der Beschaffungspraxis selten erwähnt wird, aber das eigentliche Qualitätskriterium für Desinfektionstücher ist: die EN 16615. Wer diese Norm kennt, kann seriöse Produkte von Marketing-Versprechen unterscheiden. Wir nehmen in diesem Beitrag den Formades Rapid FP Wipes (Art.-Nr. 75703) als praktisches Beispiel, ordnen die normativen Anforderungen ein und geben konkrete Hinweise für den Alltag.
EN 16615: der Four-Fields-Test
Die europäische Norm EN 16615 prüft die Wirksamkeit von Wischdesinfektionsverfahren unter realitätsnahen Bedingungen. Sie wurde geschaffen, weil ältere Prüfverfahren das tatsächliche Wischen nicht abbildeten – sie maßen nur, ob eine Desinfektionsmittellösung in einem Reagenzglas Keime abtötet, nicht ob das im Praxisalltag mit einem Tuch über eine Fläche genauso gut funktioniert.
Der sogenannte Four-Fields-Test arbeitet mit vier identischen Testfeldern auf einer standardisierten Oberfläche. Eines davon wird mit einer definierten Keimsuspension kontaminiert. Dann wird das Wischtuch in einer vorgegebenen Bewegung über alle vier Felder geführt – wie es eine reale Wischhygiene auch tun würde. Anschließend wird gemessen:
- auf dem ursprünglich kontaminierten Feld: Wie stark wurde die Keimzahl reduziert?
- auf den drei zunächst sauberen Feldern: Hat das Tuch Keime von Feld 1 dorthin verschleppt?
Ein Wischdesinfektionsverfahren besteht den Test nur dann, wenn beide Aspekte stimmen – also die Reduktion auf dem ursprünglichen Feld ausreichend hoch ist UND die Verschleppung auf die übrigen Felder unter den definierten Schwellenwerten bleibt. Das ist die eigentliche Innovation der Norm: Sie misst Wirksamkeit und Sicherheit gleichzeitig, weil Verschleppung im Klinikalltag ein reales Problem ist.
Weitere relevante Normen im Überblick
EN 16615 ist die zentrale, aber nicht die einzige relevante Norm. Für ein vollständiges Bild gehören vier weitere Standards zum normativen Repertoire:
Norm | Worauf sie prüft |
EN 13727 | Bakterizidie – Wirksamkeit gegen Bakterien |
EN 13624 | Levurozidie / Fungizidie – Wirksamkeit gegen Hefepilze und Pilze |
EN 14348 | Mykobakterizidie – Wirksamkeit gegen Tuberkulose-Erreger |
EN 14476 | Viruzidie – Wirksamkeit gegen behüllte und unbehüllte Viren |
EN 16615 | Wischdesinfektion – Wirksamkeit und Verschleppungsverhalten |
Wenn Sie ein Wischdesinfektionsprodukt evaluieren, lohnt sich der Blick auf die Konformitätsangaben: Welche dieser Normen werden zitiert? Bei welcher Einwirkzeit? In welcher Belastungsstufe (clean oder dirty conditions)? Die Angabe "wirksam gegen Bakterien und Viren" ohne Bezug auf eine konkrete Norm ist im B2B-Bereich nicht aussagekräftig.
Anatomie eines guten Desinfektionstuchs
Ein modernes Desinfektionstuch ist zwei Komponenten in einer Verpackung: das Tuchmaterial und die Tränkflüssigkeit. Beide müssen aufeinander abgestimmt sein, sonst entstehen Probleme, die im Alltag spürbar werden:
Das Tuchmaterial
Vliesstoffe haben sich als Standard durchgesetzt. Wichtige Eigenschaften: ausreichende Reißfestigkeit auch im nassen Zustand, geringe Faserabgabe und – das wird oft unterschätzt – die richtige Saugfähigkeit. Ein zu saugfähiges Tuch zieht so viel Flüssigkeit aus der Packung, dass das letzte Drittel der Tücher trockener ist als die ersten. Ein zu wenig saugfähiges Tuch nimmt nicht genug Wirkstoff auf und gibt zu wenig auf die zu desinfizierende Fläche ab. Gute Hersteller validieren das Verhältnis über die gesamte Packungstandzeit.
Die Tränkflüssigkeit
Für alkoholische Tücher wie den Formades Rapid FP ist Isopropanol oder Ethanol (oder eine Mischung) der Hauptwirkstoff. Vorteile alkoholischer Lösungen: schnelle Wirkung, breites Wirkspektrum, rückstandsarmes Trocknen, Materialverträglichkeit mit den meisten Kunststoffen und lackierten Oberflächen. Nachteile: brennbar, Augenreizung, weniger geeignet für Materialien, die langfristig auf Alkohol empfindlich reagieren (z. B. manche Acrylgläser, einzelne Kunstleder-Bezüge).
Für andere Wirkstoffklassen – quartäre Ammoniumverbindungen, Aldehyde, Peroxide – gelten andere Stärken und Schwächen. In der Praxis dominieren Alkoholtücher die Routine-Flächendesinfektion, weil sie schnell trocknen, breite Wirksamkeit haben und auf den meisten Materialien funktionieren. Spezielle Anwendungen (sporozide Wirkung gegen Clostridien, langwirksame Restschicht) erfordern andere Produkte.
Formades Rapid FP Wipes (Art.-Nr. 75703) im Detail
Wir führen die Formades Rapid FP Wipes von unizell Medicare unter unserer Art.-Nr. 75703 – ein etabliertes Produkt für die alltägliche Wischdesinfektion in Klinik, Praxis und Pflege. Die Eckdaten:
Merkmal | Spezifikation |
Art.-Nr. | 75703 |
Hersteller | unizell Medicare GmbH, Bad Schwartau |
Wirkstoffbasis | alkoholisch, gebrauchsfertig |
Anwendung | Flächen- und Geräteoberflächen, medizinisches Inventar |
Tuchgröße | 20 × 22 cm |
Packung | 60 Tücher mit wiederverschließbarem Deckel |
Karton | 9 Packungen |
Palette | 45 Kartons |
Sicherheitshinweis | alkoholisch – brennbar; Biozid sachgemäß anwenden; Etikett und Produktinformation beachten |
Die konkreten Einwirkzeiten für die einzelnen Wirkspektren – bakterizid, levurozid, viruzid – stehen auf dem Etikett und im aktuellen Produktdatenblatt. Sie sind je nach Anwendung (clean / dirty conditions, Erreger) unterschiedlich. Im Alltag relevant: Die kurze Einwirkzeit der Routineanwendung im bakteriziden Bereich macht das Produkt zum Standard für Anwendungen zwischen zwei Patientenkontakten – Liege, Trage, Behandlungstisch.
Materialverträglichkeit – ein unterschätzter Punkt
Alkoholische Wischdesinfektion ist materialschonend, aber nicht universalverträglich. Drei Materialgruppen sollten Sie im Blick haben:
- Touchscreens und Displays. Moderne Geräte mit oleophober Beschichtung können bei häufiger Alkoholdesinfektion ihre fingerabdruckabweisende Schicht verlieren. Hersteller geben dazu eigene Reinigungsempfehlungen heraus. Bei medizinischen Geräten meist unkritisch, bei iPads und ähnlichen Tablets in der Patientendokumentation ein Thema.
- Acrylglas und manche Polycarbonate. Können bei wiederholter Alkoholanwendung kleine Risse entwickeln. Bei Inkubator-Hauben, Sichtschutzscheiben und Schutzbarrieren mit dem jeweiligen Hersteller abklären, ob alkoholische Tücher freigegeben sind.
- Kunstleder und manche Stoffbezüge. Bei Behandlungsliegen aus medizinischem Kunstleder ist die Verträglichkeit in der Regel gegeben, ältere oder günstige Bezüge können bei häufiger Anwendung verspröden. Im Zweifel an einer unauffälligen Stelle testen.
Für die übergroße Mehrheit der Anwendungen in der Praxis – Behandlungsliege, Stethoskop, Türgriffe, Lichtschalter, Tastatur, Telefon, Tische, Geräteoberflächen aus Edelstahl oder lackiertem Metall – sind alkoholische Tücher die richtige Wahl.
Wischhygiene-Standards: vier Schritte, die sitzen müssen
Auch das beste Tuch wirkt nur dann, wenn die Wischtechnik stimmt. Vier Punkte, die in unseren Schulungen regelmäßig nachjustiert werden:
- Wischrichtung. Vom Sauberen zum Schmutzigen, in einer Richtung. Hin- und herwischen verschleppt Keime und macht den Vorteil der EN-16615-Prüfung in der Anwendung wieder zunichte.
- Ausreichender Druck. Wischdesinfektion hat eine mechanische und eine chemische Komponente. Beide brauchen Anpressdruck. Ein bloßes Drüberfahren reicht nicht.
- Vollständige Benetzung. Die zu desinfizierende Fläche muss sichtbar benetzt sein und während der Einwirkzeit feucht bleiben. Trocknet das Mittel zu früh, ist die deklarierte Einwirkzeit nicht erreicht.
- Ein Tuch, eine Fläche. Für getrennte Flächen oder zwischen Patienten getrennt jeweils ein neues Tuch. Ein Tuch für die Liege und dann für die Untersuchungslampe ist hygienisch problematisch.
Häufige Anwendungsfehler
- Wiederverschließbarer Deckel offen gelassen – die Tücher trocknen aus, die Restfeuchtigkeit reicht nicht mehr für die deklarierte Wirksamkeit
- Tücher in der Packung umgeschichtet, dadurch Verteilung der Tränkflüssigkeit ungleichmäßig
- Anwendung auf staubigen, stark verschmutzten Oberflächen – die Desinfektion baut auf einer Vorreinigung auf
- Einwirkzeit nicht eingehalten, weil die Fläche sofort weiterverwendet wird
- Mehrere unterschiedliche Tücher in einem Lagerraum verwechselt – Etikettierung der Spender erleichtert die korrekte Anwendung
FAQ
Wofür sind die Formades Rapid FP Wipes geeignet?
Für die routinemäßige Wisch-Desinfektion und Reinigung mittelgroßer Flächen und medizinischer Geräte. Typische Anwendungen: Behandlungsliegen, Stethoskope, Blutdruckmanschetten, Geräteoberflächen, Türgriffe, Tische, Lichtschalter. Für die Aufbereitung kritischer Medizinprodukte (z. B. semikritisch oder kritisch nach KRINKO) gelten andere Anforderungen – hier sind validierte Aufbereitungsverfahren in Reinigungs- und Desinfektionsgeräten Standard.
Wo finde ich die genauen Einwirkzeiten und Wirkspektren?
Auf dem Etikett der Packung sowie im aktuellen Produktdatenblatt des Herstellers. Wir empfehlen, das Datenblatt regelmäßig zu prüfen, weil sich Wirksamkeitsbelege auch nach der Erstzulassung erweitern können. Bei Bedarf stellen wir das aktuelle Datenblatt gerne zur Verfügung.
Sind die Tücher gegen das Coronavirus wirksam?
Alkoholische Wischdesinfektionsmittel sind in der Regel gegen behüllte Viren wirksam – dazu zählt auch das Coronavirus. Die konkrete Deklaration "begrenzt viruzid" bzw. "viruzid gegen behüllte Viren" und die zugehörige Einwirkzeit entnehmen Sie dem aktuellen Produktdatenblatt.
Wie lange halten die Tücher in der geöffneten Packung?
Die Standzeit nach Anbruch ist herstellerseitig angegeben – typisch sind mehrere Wochen, sofern der Deckel zwischen den Entnahmen verschlossen bleibt. Bei sichtbarer Trocknung oder veränderter Konsistenz die Packung verwerfen.
Kann ich die Tücher auch für die Hautdesinfektion verwenden?
Nein. Flächendesinfektionsmittel und Hautdesinfektionsmittel haben unterschiedliche Zulassungen und unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen. Für die Hautdesinfektion vor Injektionen gibt es spezielle Produkte – siehe unseren Beitrag zur korrekten Anwendung von Alkoholtupfern.
Brauchen unsere Mitarbeiter eine Schulung?
Für die korrekte Anwendung von Flächendesinfektionsmitteln sieht die Biostoffverordnung eine arbeitsmedizinische Unterweisung vor. Inhaltlich gehört dazu: Wirkstoff, Einwirkzeit, Wischtechnik, Schutzmaßnahmen, Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Augenkontakt. Wir stellen auf Anfrage Schulungsunterlagen zur Verfügung, die diese Punkte abdecken.
Bestellung und Beratung
Die Formades Rapid FP Wipes (Art.-Nr. 75703) sind über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar – als Einzelpackung, im Karton à 9 Packungen oder palettenweise. Für Rahmenverträge, Schulungsunterlagen oder eine Vergleichsrechnung zu Ihrem aktuellen Wischdesinfektionsmittel erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.
