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Schwerkraft-Infusionsgeräte zählen zu den Produkten, die den klinischen Alltag so prägen, dass man sie kaum noch wahrnimmt. Sie hängen an jedem Bett, sie laufen in jeder Tagesklinik, sie sind in jedem Notarztwagen. Genau deshalb lohnt sich ab und an ein zweiter Blick: Welche Spezifikationen sind in den vergangenen Jahren regulatorisch hinzugekommen, was unterscheidet ein gutes von einem mittelmäßigen Infusionsgerät, und wann ist die Schwerkraft eigentlich die richtige Wahl gegenüber einer Infusionspumpe?
Wir führen mit dem K.Ä.B. Infu G (Art.-Nr. 0717) ein Schwerkraft-Infusionsgerät, das wir bewusst als Eigenmarke aufgesetzt haben. In diesem Beitrag fassen wir zusammen, worauf wir bei der Spezifikation Wert gelegt haben und worauf Sie als Einkäuferin oder Anwender bei der Auswahl achten sollten.
Schwerkraft oder Pumpe – wann was?
Die Entscheidung zwischen Schwerkraft-Infusion und einer elektronischen Infusionspumpe wird in vielen Häusern situativ getroffen, oft basierend darauf, welche Geräte gerade verfügbar sind. Aus klinischer Sicht gibt es klare Indikationen für beide Verfahren:
Die Schwerkraft-Infusion ist die richtige Wahl für die Standardtherapie mit unkritischen Flüssigkeiten – Volumenersatz mit Kochsalz oder Ringer-Lactat, Glukose-Infusionen, viele Antibiotika-Kurzinfusionen, einfache Elektrolyt-Substitution. Vorteile: keine Wartung, keine Akku-Probleme, keine Fehleranfälligkeit durch Elektronik, deutlich günstiger pro Anwendung. Ein erfahrenes Pflegeteam kann die Tropfgeschwindigkeit verlässlich einstellen und der Verlauf ist visuell jederzeit kontrollierbar.
Die Infusionspumpe ist dort indiziert, wo die Dosiergenauigkeit über die mögliche Präzision der Schwerkraft-Steuerung hinausgeht: Katecholamine, Insulin-Infusionen, parenterale Ernährung mit definierten Laufzeiten, hochwirksame Medikamente mit engem therapeutischen Fenster, pädiatrische Anwendungen. Auch bei langer Laufzeit ohne ständige Kontrolle (z. B. nachts) ist die Pumpe sicherer.
Die Faustregel: Wenn eine Abweichung der Flussrate um 20 Prozent klinisch unbedenklich wäre, reicht die Schwerkraft. Wenn nicht, gehört die Pumpe an die Leitung. In den meisten Häusern fallen mehr als drei Viertel aller Infusionen in die erste Kategorie.
Anatomie eines modernen Schwerkraft-Infusionsgeräts
Ein gutes Infusionsgerät besteht aus fünf funktionalen Komponenten, die in der gesamten Beschaffung der Erwähnung wert sind:
- Einstechdorn mit Belüftung. Der Dorn punktiert den Infusionsbeutel oder die Glasflasche. Bei starren Behältnissen ist eine integrierte Belüftung erforderlich, damit beim Auslaufen der Flüssigkeit Luft nachströmen kann – ohne Belüftung entsteht ein Vakuum, die Infusion stoppt. Moderne Geräte haben die Belüftung mit einem hydrophoben Filter, der Eintreten von Mikroorganismen verhindert.
- Tropfenkammer. Die transparente Kammer erlaubt die optische Kontrolle des Durchlaufs. Sie ist nach einem definierten Volumen pro Tropfen kalibriert – im Standardfall 20 Tropfen pro Milliliter. Die Kalibrierung ist die Grundlage für die manuelle Berechnung der Tropfgeschwindigkeit.
- Schlauch mit Rollklemme. Der Infusionsschlauch verbindet Behältnis und Patient. Mit der Rollklemme wird die Tropfgeschwindigkeit feinjustiert. Die Länge des Schlauchs ist nicht beliebig: zu kurz schränkt die Bewegungsfreiheit ein, zu lang erhöht das Totvolumen und kostet Material.
- Tropfenfilter und Partikelfilter. Im Schlauchsystem sitzt ein Partikelfilter (typischerweise 15 µm), der mechanische Verunreinigungen abfängt. Für spezielle Anwendungen gibt es Geräte mit feineren Bakterienfiltern – beim Standardgerät reicht der 15-µm-Filter.
- Luer-Lock-Konnektor. Am patientenseitigen Ende wird das Gerät an die Venenverweilkanüle oder den zentralen Zugang angeschlossen. Luer-Lock-Verschraubung ist heute Standard, weil sie ein versehentliches Lösen verhindert.
DEHP-Freiheit – die wichtigste regulatorische Anforderung der vergangenen Jahre
Eine Spezifikation, die in der Beschaffung mittlerweile Standard sein sollte: DEHP-Freiheit. DEHP – chemisch Di-2-ethylhexylphthalat – wurde jahrzehntelang als Weichmacher in PVC-haltigen Medizinprodukten eingesetzt. Es macht PVC-Schläuche flexibel und ist in der Herstellung günstig. Das Problem: DEHP ist in der EU als reproduktionstoxisch und endokrin wirksam eingestuft, mit besonderer Relevanz für Schwangere, Säuglinge und Patientinnen mit langer Infusionsdauer.
Die Konsequenz der EU-Regulierung: Medizinprodukte mit DEHP über bestimmten Grenzwerten müssen entsprechend gekennzeichnet sein. Für viele Anwendungen – insbesondere in der Pädiatrie, Neonatologie und in der Versorgung schwangerer Patientinnen – wird auf DEHP-freie Geräte umgestellt. In modernen Häusern ist DEHP-Freiheit längst nicht mehr nur eine Premium-Anforderung, sondern Standard der Beschaffung.
Das K.Ä.B. Infu G ist konsequent DEHP-frei. Das gilt für den Schlauch ebenso wie für die Tropfenkammer. Ebenso wichtig: Das Gerät ist latexfrei. Damit fallen zwei Sensibilisierungsquellen für Patient und Personal komplett weg – ohne Mehrpreis gegenüber konventionellen Produkten.
Niedriger EO-Restwert von 0,6 mg pro Set – warum das für die Pädiatrie zählt
Ein weiterer Punkt, der im Datenblatt unscheinbar wirkt, in der klinischen Realität aber einen Unterschied macht: der Ethylenoxid-Restwert. Ethylenoxid (EO) ist das Standard-Sterilisationsverfahren für Kunststoff-Medizinprodukte, die sich nicht autoklavieren lassen – also für praktisch jedes Infusionsbesteck am Markt. Das Verfahren ist hocheffizient, hinterlässt aber Restmengen am Produkt, die nach der Sterilisation in einem Ausgasungsprozess reduziert werden müssen.
Die ISO 10993-7 definiert die zulässigen Höchstmengen. Für Geräte mit längerem Patientenkontakt (über 24 Stunden) liegt der Grenzwert bei 4 mg EO pro Gerät, bei Dauerkontakt sogar nur bei 2,5 mg. Das K.Ä.B. Infu G erreicht 0,6 mg pro Set – also rund 15 Prozent des regulatorisch erlaubten Maximums. Das ist nicht selbstverständlich; viele Standardprodukte am Markt liegen zwei- bis dreimal höher.
Warum das für die Anwendung relevant ist: EO-Reste können bei langer oder häufiger Infusionstherapie über das System in den Patienten gelangen. Bei Erwachsenen mit normaler Körpermasse und gelegentlicher Infusion ist das klinisch irrelevant. Anders sieht es bei Kindern, bei Säuglingen und bei Patientinnen mit Mehrfach-Infusionen pro Tag aus: Hier summiert sich die Exposition, und die kleinere Körpermasse macht den gleichen Stoff pro Kilogramm Körpergewicht zur höheren Belastung. EO ist als mutagen und kanzerogen klassifiziert – nicht in den Mengen, in denen es bei korrekter Sterilisation freigesetzt wird, aber das Vorsorgeprinzip empfiehlt einen möglichst niedrigen Restwert, wo immer das technisch möglich ist.
Der niedrige EO-Wert macht das Infu G damit auch für die pädiatrische Versorgung geeignet – ein Anwendungsbereich, in dem viele Einrichtungen sonst zu Spezial- oder Premiumprodukten greifen. Für Kinderarztpraxen, neonatologische Stationen und Häuser mit hoher pädiatrischer Frequenz ist das ein konkretes Beschaffungsargument.
Die Belüftung – warum sie technisch nicht trivial ist
Ein Punkt, der in der Anwendung oft unterschätzt wird: die integrierte Belüftung im Einstechdorn. Sie wirkt klein und nebensächlich, ist aber für die zuverlässige Funktion bei starren Infusionsbehältern entscheidend. Was passiert technisch:
Bei einem flexiblen Beutel kollabiert die Hülle, während die Flüssigkeit ausläuft – kein Vakuum, kein Problem. Bei einer Glasflasche oder einem starren Plastikbehälter ist das anders: Sobald Flüssigkeit ausläuft, sinkt der Druck im Inneren. Ohne Belüftung erreicht die Schwerkraft-Komponente irgendwann den Atmosphärendruck, und die Infusion stoppt. Die Belüftung lässt sterile Luft in den Behälter nachströmen und hält den Druck konstant.
Die Filterqualität der Belüftung ist dabei nicht egal. Ein einfaches Loch wäre eine Eintrittspforte für Mikroorganismen. Der hydrophobe Membranfilter im Infu G hält Bakterien, Pilzsporen und Aerosole ab, während Luftmoleküle ungehindert passieren können. Das ist Stand der Technik, aber nicht in jedem Discount-Infusionsgerät zu finden.
Die 20:1-Kalibrierung und wie man die Tropfgeschwindigkeit berechnet
Das Infu G ist nach dem internationalen Standard für Standard-Infusionsgeräte kalibriert: 20 Tropfen entsprechen einem Milliliter, mit einer Toleranz von ± 0,1 g. Diese Kalibrierung ist die Grundlage für die Tropfgeschwindigkeits-Berechnung im Pflegealltag.
Die Formel ist einfach: Tropfen pro Minute = (Volumen in ml × 20) ÷ (Laufzeit in Minuten). Beispiel: 500 ml NaCl 0,9 % in 2 Stunden (120 Minuten) bedeutet (500 × 20) ÷ 120 = etwa 83 Tropfen pro Minute. Das entspricht ungefähr 1,4 Tropfen pro Sekunde – ein gut kontrollierbarer Bereich.
Für Mikroinfusionen (etwa in der Pädiatrie oder bei sehr niedrigen Dosen) gibt es Geräte mit 60-Tropfen-Kalibrierung. Hier entspricht ein Milliliter 60 Tropfen, was eine feinere Justierung erlaubt. Für die Routineanwendung in der Erwachsenenmedizin ist die 20:1-Kalibrierung Standard und ausreichend.
Hilfreich für den Stationsalltag ist eine kleine Übersichtstabelle, die wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung stellen – darin sind die häufigsten Volumen-Zeit-Kombinationen und die entsprechenden Tropfgeschwindigkeiten bereits ausgerechnet.
K.Ä.B. Infu G: Spezifikationen im Überblick
Merkmal | Spezifikation |
Art.-Nr. | 0717 (ersetzt Vorgängerartikel 0716) |
Hersteller | K.Ä.B. Eigenmarke |
Typ | Schwerkraft-Infusionsgerät, Einmalverwendung |
Sterilität | steril, pyrogenfrei |
Material | DEHP-frei, latexfrei |
EO-Restwert | 0,6 mg pro Set (deutlich unter ISO 10993-7 Grenzwert; geeignet für Pädiatrie) |
Belüftung | integriert, mit hydrophobem Filter |
Kalibrierung | 20 Tropfen = 1 g ± 0,1 g |
Schlauchlänge | 1.520 mm (152 cm) |
Verpackung | einzeln, steril versiegelt |
Beutel | 20 Stück |
Karton | 200 Stück |
Ein praktischer Hinweis zur Lieferung: Bei größeren Mengen gewähren wir Naturalrabatte, die den Stückpreis spürbar reduzieren. Eine Übersicht über die Staffelung – von 360+40 bis 4.000+1.000 – finden Sie auf der Produktseite oder bekommen Sie über unseren Innendienst.
Häufige Anwendungsfehler – worauf Sie achten sollten
- Tropfenkammer zu voll. Die Tropfenkammer soll bei der Inbetriebnahme etwa zu einem Drittel mit Flüssigkeit gefüllt sein – nicht mehr. Eine zu volle Kammer macht das Zählen der Tropfen unmöglich, eine zu leere kann Luft in den Schlauch zulassen.
- Schlauch nicht vollständig entlüftet. Vor dem Anschluss an den Patienten muss der gesamte Schlauch luftfrei sein. Das Vorlaufen der Flüssigkeit (Primen) ist Pflicht – nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern weil Luftembolien bei größeren Volumina lebensbedrohlich sein können.
- Höhenunterschied unterschätzt. Die Tropfgeschwindigkeit hängt vom hydrostatischen Druck ab, also von der Höhendifferenz zwischen Behälter und Einstichstelle. Wer den Beutel zu niedrig aufhängt, wundert sich über eine zu langsame Infusion. Faustregel: mindestens 60 cm über Patientenhöhe.
- Rollklemme nicht kontrolliert. Die Rollklemme verändert ihre Position durch Vibration, Patientenbewegung oder bei der Mobilisation. Eine Kontrolle der Tropfgeschwindigkeit nach 5 und nach 30 Minuten sollte zur Routine gehören – die meisten Abweichungen entstehen in der ersten halben Stunde.
- Mehrfachverwendung. Das Infu G ist ein Einmalprodukt. Auch wenn der Schlauch optisch sauber aussieht – nach Gebrauch wird er verworfen. Wiederverwendung ist sowohl regulatorisch unzulässig als auch klinisch unverantwortlich.
FAQ
Ist das Infu G für Kinder geeignet?
Ja. Durch den besonders niedrigen Ethylenoxid-Restwert von 0,6 mg pro Set (rund 15 Prozent des regulatorischen Grenzwerts nach ISO 10993-7) eignet sich das Infu G auch für die pädiatrische Versorgung – inklusive Anwendungen, bei denen Kinder mehrfach täglich oder über längere Zeiträume infundiert werden. Für Mikroinfusionen mit sehr feiner Dosierung (Neonatologie, Niedrigvolumen-Therapie) bleibt jedoch das 60-Tropfen-Mikroinfusionsgerät die genauere Wahl.
Ist das Infu G mit allen Infusionsbehältern kompatibel?
Ja, das Standard-Schwerkraft-Infusionsgerät passt sowohl an flexible Beutel als auch an starre Glas- oder Plastikflaschen. Bei Glasflaschen ist die integrierte Belüftung entscheidend – sie ist hier zwingend erforderlich, bei flexiblen Beuteln optional.
Wie lange darf ein Infu G im laufenden Betrieb verwendet werden?
Die Anwendungsdauer richtet sich nach den hygienischen Vorgaben der Einrichtung. Üblich sind 24 Stunden bei kontinuierlicher Anwendung, danach wird das System gewechselt. Bei intermittierender Anwendung (etwa mehrere Kurzinfusionen am selben Tag) ist die Frist meist kürzer. Die internen Pflegestandards regeln das genaue Vorgehen.
Funktioniert das Infu G auch ohne Pumpe verlässlich?
Ja – das ist genau der Zweck eines Schwerkraft-Infusionsgeräts. Voraussetzung ist ein ausreichender Höhenunterschied (mindestens 60 cm über Patientenhöhe), eine korrekt eingestellte Rollklemme und eine regelmäßige Kontrolle der Tropfgeschwindigkeit. Für hochkritische Medikamente bleibt die Pumpe das Mittel der Wahl.
Ist das Gerät MRT-tauglich?
Der Infusionsschlauch enthält keine metallischen Komponenten und kann grundsätzlich im MRT-Umfeld eingesetzt werden. Beachten Sie aber die Vorgaben Ihres Geräts hinsichtlich Feldstärke und die Empfehlungen für angeschlossene Venenverweilkanülen.
Was kostet das Infu G im Vergleich zu Markenprodukten?
Als Eigenmarke ohne Markenaufpreis liegt das K.Ä.B. Infu G im günstigen Bereich des Marktes – bei vergleichbarer technischer Qualität (DEHP-frei, latexfrei, integrierte Belüftung). Die Naturalrabatte ab 360 Stück machen den Bezug für größere Einrichtungen besonders attraktiv.
Sind Schulungen zur Anwendung erforderlich?
Die Bedienung eines Standard-Schwerkraft-Infusionsgeräts gehört zur grundlegenden Pflegeausbildung und ist Bestandteil jedes Pflegestandards. Für neu eingearbeitete Mitarbeitende stellen wir gerne ergänzendes Schulungsmaterial zur Verfügung – auch zur korrekten Berechnung der Tropfgeschwindigkeit.
Bestellung und Beratung
Das K.Ä.B. Infu G (Art.-Nr. 0717) ist über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar. Für Rahmenverträge, Großmengen mit Naturalrabatten oder eine Vergleichsrechnung zu Ihrem aktuellen Lieferanten erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.
