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Aktuelles/Info

Einwegnierenschale aus Zellstoff: Wann das Einmalprodukt das Edelstahl-Modell schlägt

 

Die Nierenschale gehört zu den medizinischen Produkten mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Form und Funktion sind seit über hundert Jahren weitgehend unverändert: eine flache, an einer Seite konkave Schale, die sich an die Körperkontur anlegen lässt – am Hals zum Auffangen von Erbrochenem, an der Wunde zur Wundspülung, am Behandlungstisch als Instrumentenablage. Was sich geändert hat, ist das Material. Wo früher ausnahmslos Edelstahl im Einsatz war, gibt es heute drei etablierte Varianten: Edelstahl, Kunststoff und Zellstoff.

Die Frage, welche Variante in welchem Setting die richtige ist, hat handfeste wirtschaftliche und hygienische Konsequenzen. Wir bekommen sie regelmäßig im Innendienst gestellt, vor allem von Pflegeeinrichtungen und Ambulanzen, die ihre Beschaffung überdenken. In diesem Beitrag fassen wir den ehrlichen Vergleich zusammen – inklusive einer Vollkostenrechnung, die Einweg- gegen Mehrwegnutzung stellt.

Die drei Materialklassen im Direktvergleich

Merkmal

Zellstoff

Kunststoff

Edelstahl

Stückpreis

niedrig

mittel

hoch

Wiederverwendbar

nein

ja

ja

Aufbereitung

entfällt

Desinfektion

Autoklav möglich

Sterilität bei OP

nach Autoklav möglich

begrenzt

Standard im OP

Kreuzkontaminations-Risiko

praktisch null

bei mangelhafter Aufbereitung

bei mangelhafter Aufbereitung

Logistikaufwand

hoch (Lager + Entsorgung)

mittel

niedrig

Ökobilanz

abhängig von Material

mittlere Lebenszeit

sehr lange Lebenszeit

 

Die Tabelle zeigt: Keine der drei Varianten ist universell überlegen. Welche die richtige Wahl ist, hängt vom Anwendungsbereich, vom verfügbaren Aufbereitungsequipment und vom Volumen ab.

Wann die Zellstoff-Schale die richtige Wahl ist

Die Einweg-Nierenschale aus Zellstoff hat einen klaren Anwendungs-Sweetspot. Sie ist die richtige Wahl in folgenden Situationen:

  • Hochfrequente Anwendung ohne Aufbereitungsequipment. Pflegeeinrichtungen, Heimpflege und ambulante Praxen, die keine zentrale Sterilisations- oder Aufbereitungsabteilung haben, profitieren von der einfachen Logistik: benutzen, entsorgen, neue verwenden. Keine Zwischenlagerung, keine Spülmaschine, keine Validierung der Aufbereitung.
  • Patientengebundene Versorgung. Bei Isolations- oder Risikopatienten – etwa MRSA, CDIFF, Patientinnen mit immunsupprimierender Therapie – ist die patientengebundene Einweg-Lösung das hygienisch sicherste Vorgehen. Die Schale verlässt das Patientenzimmer nicht.
  • Rettungsdienst und Notfallmedizin. Im Einsatzfahrzeug ist Aufbereitung nicht praktikabel. Die Zellstoff-Schale ist platzsparend stapelbar, wiegt wenig und ist nach Anwendung sofort entsorgbar.
  • Sammlung von Verbrauchsmaterial in der Praxis. Beim Verbandwechsel, bei der Wundversorgung oder beim Richten von Instrumenten dient die Schale als Sammelgefäß für gebrauchte Tupfer, Pflasterreste, Spritzenkappen. Eine Edelstahl-Schale wäre hier hygienisch und wirtschaftlich kaum begründbar.

Anders gesagt: Überall dort, wo die Nierenschale ein logistischer Träger ist, nicht ein hochsteriles Instrumentarium, ist die Einweg-Zellstoff-Variante meistens die wirtschaftlich und hygienisch beste Lösung.

Wann eine Mehrweg-Schale (Kunststoff oder Edelstahl) die bessere Wahl ist

Es gibt klar abgrenzbare Anwendungen, in denen die wiederverwendbare Variante überlegen ist:

  • Operativer Bereich. Im OP, in der Endoskopie und in der ambulanten Chirurgie sind Edelstahl-Schalen Standard. Sie sind dampfsterilisierbar nach EN ISO 17665, halten extreme Temperaturwechsel aus und können als Teil eines Siebes routinemäßig autoklaviert werden.
  • Farbliche Trennung im Praxisalltag. Kunststoff-Schalen gibt es in mehreren Farben. Wer in seiner Einrichtung mit farblicher Codierung arbeitet – etwa pink für reine Materialien, blau für gebrauchte – profitiert von der Mehrweg-Kunststofflösung. Wir führen unter der Art.-Nr. I9KD200 eine entsprechende Variante.
  • Sehr hochfrequente Nutzung in einem festen Bereich. Eine Endoskopiestation, die täglich 30 Untersuchungen durchführt, ist mit aufbereitbaren Schalen wirtschaftlich oft günstiger – sofern die Aufbereitungsstrecke vorhanden ist.

Vollkostenrechnung Einweg vs. Mehrweg

Die häufigste Fehlannahme beim Einkauf von Mehrweg-Produkten: Der niedrigere Stückpreis pro Anwendung lässt sich aus dem Anschaffungspreis und der erwarteten Lebensdauer ableiten. Das stimmt nicht – die Vollkosten enthalten weit mehr.

Was eine Mehrweg-Nierenschale pro Anwendung tatsächlich kostet, schließt mindestens diese Positionen ein:

  • Anschaffungspreis verteilt auf die erwartete Nutzungsdauer
  • Aufbereitungskosten pro Zyklus – Personal, Wasser, Strom, Reinigungsmittel
  • Sterilisationskosten, falls autoklaviert wird – Energie, Verbrauchsmaterial, Personalzeit
  • Logistikkosten – Sammelweg, Zwischenlagerung, Rückführung
  • Schwund und Beschädigung – jährlicher Verlust durch Ausmusterung
  • Risiko mangelhafter Aufbereitung – Kontaminationsrisiko bei kompromittierter Aufbereitungsqualität

In einer typischen Pflegeeinrichtung mit dezentraler Aufbereitung (Spülmaschine in der Station, keine zentrale Sterilisation) liegen die Aufbereitungskosten pro Anwendung typischerweise zwischen 0,30 und 0,60 EUR. Eine Zellstoff-Einwegschale kostet in der Größenordnung deutlich weniger und entlastet das Personal von einer ungeliebten Tätigkeit. Die Cost-per-Use-Rechnung kippt dort, wo die zentrale Aufbereitung skaliert und der Edelstahl-Bestand bereits abgeschrieben ist – im klassischen Krankenhaus-OP also weiterhin Standard, in der niedergelassenen Versorgung dagegen oft zugunsten Einweg.

K.Ä.B. Einmal-Nierenschale Zellstoff Clean (MEG636025) im Detail

Unsere Standard-Einwegschale ist auf die typischen Anforderungen der ambulanten und pflegerischen Versorgung abgestimmt. Die Eckdaten:

Merkmal

Spezifikation

Art.-Nr.

MEG636025

Material

gepresster Zellstoff, wasserbeständig beschichtet

Bleichung

ungebleicht – ökologisch günstiger, Naturfarbe

Form

klassisch nierenförmig

Maße

ca. 252 × 150 × 48 mm

Volumen

ca. 700 ml

Sterilität bei Auslieferung

unsteril

Sterilisierbarkeit

im Bedarfsfall dampfsterilisierbar bei 134 °C für 30 Minuten

Entnahme

50er-Bündel aus dem Karton, einfaches Stapeln und Entnehmen

Karton

300 Stück (6 × 50)

 

Die wasserbeständige Beschichtung hält Flüssigkeiten zuverlässig zurück – Wundsekret, Spüllösung, Erbrochenes – mindestens für die typische Nutzungsdauer von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden. Die Beschichtung ist so dimensioniert, dass die Schale nicht durchweicht, gleichzeitig aber biologisch abbaubar bleibt.

Anwendungsbereiche im Überblick

Pflegeeinrichtung

Bei der Körperpflege als Ablagefläche für gebrauchte Einmalprodukte, bei Übelkeit zum schnellen Bereitstellen, beim Verbandwechsel als Sammelschale. Die patientengebundene Lagerung im Zimmer ist hygienisch ideal – ein neues Stück pro Bedarf, die alte Schale wird zusammen mit dem Pflegeabfall entsorgt.

Heimpflege

Bei der ambulanten Versorgung daheim ist die Schale ein bewährter Helfer für Angehörige. Sie ersetzt improvisierte Lösungen (Plastikschüsseln, Tupperware) durch ein medizinisch geeignetes Gefäß, das nach Gebrauch entsorgt wird. Apothekenbestellung im Set mit Krankenunterlagen und Verbandsmaterial möglich.

Rettungsdienst und Notarztwagen

Sehr beliebt, weil platzsparend und ohne Aufbereitungsaufwand. Pro Einsatzfahrzeug ein kleines Bündel im Stauraum – das reicht für mehrere Schichten und kostet nur Cent-Beträge.

Allgemeinmedizinische Praxis und Ambulanz

Beim Richten eines Behandlungswagens, beim Verbandwechsel, bei der Probenentnahme. Hier konkurriert die Einwegschale mit der Mehrweg-Kunststoffschale – beides ist möglich, die Entscheidung hängt vom Volumen und vom internen Aufbereitungsworkflow ab.

Sterilisationsoption – wann sie Sinn ergibt

Die K.Ä.B. Einmal-Nierenschale kann im Bedarfsfall dampfsterilisiert werden (134 °C für 30 Minuten). Wofür ist das in der Praxis nützlich?

  • Wenn in einem Notfall keine sterile Schale anderer Bauart verfügbar ist und ein autoklavierbares Gefäß benötigt wird
  • In Einrichtungen, die ihre Sterilisationskapazität ohnehin betreiben und eine sterile, aber günstige Schale brauchen – etwa für kleinere chirurgische Eingriffe in der Ambulanz
  • Für die Vorbereitung steriler Verbrauchsmaterialien, die in einer Schale gerichtet werden sollen

Im Regelbetrieb ist diese Option aber kein Standardprozess. Wer regelmäßig sterile Schalen braucht, ist mit dem dampfsterilisierbaren Edelstahl-Modell wirtschaftlich besser bedient.

Häufige Fehler in der Anwendung

  • Die Schale wird mit ätzenden oder lösungsmittelhaltigen Flüssigkeiten in Kontakt gebracht – die Beschichtung ist für wässrige Lösungen und Körperflüssigkeiten ausgelegt, nicht für Lösungsmittel oder konzentrierte Säuren
  • Die Schale wird für längere Zeit (mehrere Stunden) befüllt stehen gelassen – die Beschichtung hält dem Standzeitraum stand, dauerhafte Lagerung ist aber nicht vorgesehen
  • Mehrere Patienten teilen sich eine Schale – das ist hygienisch nicht akzeptabel, auch wenn dazwischen abgespült wird; die Einwegnutzung ist Pflicht
  • Die Schale wird zusammen mit dem Hausmüll entsorgt, obwohl der Inhalt potenziell infektiös ist – Entsorgung nach den jeweiligen internen Abfallrichtlinien (in Österreich ÖNORM S 2104) ist verpflichtend
  • Lagerung in feuchten Räumen – das Material zieht Feuchtigkeit, die Reißfestigkeit nimmt ab; trocken lagern

FAQ

Ist die Schale auch nach dem Autoklavieren noch wasserbeständig?

Ja. Die Beschichtung übersteht den Sterilisationszyklus bei 134 °C. Wichtig ist, dass die Schale dabei nicht mechanisch beschädigt wird und nach dem Autoklavieren vollständig getrocknet ist.

Wie wird die Einmal-Nierenschale entsorgt?

Sofern keine Kontamination mit infektiösen Materialien vorliegt, kann die Schale über den Hausmüll entsorgt werden – sie besteht aus biologisch abbaubarem Zellstoff. Bei Kontamination mit Blut, Sekret oder anderen potenziell infektiösen Materialien gilt die ÖNORM S 2104 bzw. die jeweilige interne Abfallrichtlinie der Einrichtung.

Was unterscheidet die ungebleichte Version vom weißen Modell?

Die ungebleichte Version verzichtet auf den Bleichungsprozess in der Herstellung. Das spart Chemikalien und Wasser in der Produktion. Funktional ist kein Unterschied gegeben – Saugverhalten, Festigkeit und Beschichtung sind identisch. Die natürlich-bräunliche Farbe wird in der Praxis nach kurzer Eingewöhnung kaum noch als ungewöhnlich wahrgenommen.

Ab welcher Stückzahl lohnt sich Palettenbestellung?

Für regelmäßige Großverbraucher – Pflegeverbände, Krankenhäuser, regionale Versorger – liefern wir auch palettenweise. Sprechen Sie uns für eine konkrete Kalkulation an, wir machen Ihnen ein Angebot inkl. Logistik.

Wie unterscheidet sich die Einmal-Schale von der Kunststoff-Nierenschale aus dem KÄB Sortiment?

Unsere Kunststoff-Nierenschale (Art.-Nr. I9KD200) ist mehrweg-fähig, desinfektionsbeständig und in mehreren Farben verfügbar – ideal für Einrichtungen, die mit farblicher Trennung arbeiten und eine zentrale Aufbereitung haben. Die Einmal-Zellstoffschale ist günstiger pro Anwendung und logistisch einfacher, dafür einmalig verwendbar. Welche Variante passt, hängt vom konkreten Nutzungsprofil ab.

Sind die Schalen formstabil genug für die Wundspülung?

Ja. Die gepresste Form ist mechanisch stabil und hält die typischen Wundspül-Volumen (bis ca. 700 ml) zuverlässig. Bei zu hoher Schräglage oder schneller Bewegung kann es zu Schwappverlusten kommen – das gilt aber für alle Nierenschalen, unabhängig vom Material.

Bestellung und Beratung

Die K.Ä.B. Einmal-Nierenschale Zellstoff Clean (Art.-Nr. MEG636025) ist über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar – kartonweise (300 Stück) oder auf Anfrage palettenweise. Für Rahmenverträge, Pflegeverband-Versorgungen oder eine Beratung zur passenden Material-Mischung in Ihrer Einrichtung erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.