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Erkältungssaison in der Praxis: Materialplanung und Hygiene-Setup für den Ansturm

 

In der Allgemeinmedizin ist der Herbst die Zeit, in der sich das Praxisklima verändert. Wo im Sommer 30 Patienten pro Tag Standard sind, werden es ab Ende Oktober oft 50 bis 70. Das Wartezimmer füllt sich, die Anmeldung klingelt öfter, das Personal arbeitet unter höherem Druck. Wer den Ansturm ohne Blessuren übersteht, hat drei Dinge getan: Er hat den Materialbedarf rechtzeitig hochgefahren, das Hygiene-Setup an die veränderte Patientenzusammensetzung angepasst und dem Personal Schutz gegeben, den es braucht.

Wir bekommen ab August regelmäßig Anrufe von Praxismanagern, die genau diese drei Themen für die kommende Saison aufsetzen wollen. In diesem Beitrag fassen wir zusammen, worauf es ankommt – mit konkreten Verbrauchszahlen, einem einfachen Hygienekaskaden-Konzept und einer Checkliste für die Vorbereitung im September.

Was uns in der Erkältungssaison konkret erwartet

Die Zahlen aus der Praxis sind eindeutig. Zwischen November und März steigen die Konsultationen in Allgemeinmedizin und Pädiatrie typischerweise um 40 bis 80 Prozent gegenüber dem Sommerdurchschnitt. In den Peak-Wochen zwischen Weihnachten und Ende Januar kann sich das Aufkommen verdoppeln. Was das für den Materialbedarf bedeutet, ist im Alltag oft unterschätzt:

Artikel

Sommer-Standard

Peak-Saison (typ. Bedarf)

Nitril-Untersuchungshandschuhe

1 Karton / Monat

2 – 3 Kartons / Monat

Zellstofftupfer

1 Packung / Monat

2 Packungen / Monat

Alkoholtupfer

1 – 2 Packungen / Monat

3 – 4 Packungen / Monat

Mundnasenschutz (chirurgisch)

1 Karton / Quartal

1 – 2 Kartons / Monat

Papierhandtücher V-Falz

1 Karton / Monat

1,5 – 2 Kartons / Monat

Wischdesinfektionstücher

2 – 3 Packungen / Monat

4 – 6 Packungen / Monat

Zellstoffrollen für Liege

1 – 2 Rollen / Monat

3 – 4 Rollen / Monat

 

Die Zahlen sind Näherungswerte für eine mittelgroße Hausarztpraxis mit einem Arzt und zwei Assistentinnen. In Gemeinschaftspraxen, Kinderarztpraxen und Notaufnahmen skaliert der Bedarf entsprechend. Wichtig für die Planung: Der Anstieg ist nicht linear, sondern peakt in einzelnen Wochen sehr stark. Wer erst im Dezember bestellt, konkurriert mit allen anderen Praxen um Lieferkapazitäten – Engpässe und Lieferzeiten von 5 bis 10 Tagen sind dann normal, statt der sonst üblichen 24 bis 48 Stunden.

Materialplanung: Der September-Sanity-Check

Die praxisnahe Empfehlung: Bis Ende September einmal durchs Materiallager gehen und den Bestand aufnehmen. Fünf Fragen, die dabei beantwortet werden sollten:

  • Reicht der aktuelle Bestand von Handschuhen, Masken und Alkoholtupfern für 8 bis 10 Wochen bei erhöhtem Verbrauch?
  • Sind die Verfallsdaten der eingelagerten Chargen bekannt? Ablaufende Ware bis Ende September aufgebraucht, danach frische Chargen als Puffer
  • Ist der Lieferant in der Vorweihnachtszeit lieferfähig? Ein kurzer Anruf im September klärt das schneller als eine überraschende Absage im November
  • Gibt es einen Rahmenvertrag oder eine Reservierungsoption für die kritischen A-Artikel? Falls nicht, jetzt der richtige Zeitpunkt
  • Ist die Materialwirtschaftsdisziplin (Bestellpunkt, Bestellmenge) so eingestellt, dass sie mit dem höheren Verbrauch mitläuft?

Wer diese fünf Punkte im September durchgeht, hat für die Saison die entscheidenden Weichen gestellt. Die eigentliche Peak-Periode wird dann Routine, nicht Krisenmanagement.

Hygienekaskade in der Praxis – vier Zonen, klar getrennt

Neben der Materialplanung ist der Umbau des Hygienekonzepts der zweite Hebel. In der Erkältungssaison verändert sich die Patientenzusammensetzung – der Anteil an potenziell infektiösen Konsultationen steigt, oft ohne dass die Betroffenen selbst wissen, was sie haben. Eine bewährte Struktur teilt die Praxis in vier Zonen mit klaren Übergängen:

Zone 1: Anmeldung und Wartezimmer

Die kritische Eintrittszone. Zwei Maßnahmen mit hoher Wirkung: Erstens ein deutlich sichtbarer Handspender an der Eingangstür mit der Bitte, sich beim Betreten die Hände zu desinfizieren – erreicht 50 bis 70 Prozent der Patienten und reduziert die Keimlast im Wartezimmer messbar. Zweitens eine sichtbare Aufforderung, bei Husten- oder Erkältungssymptomen einen Mundnasenschutz zu tragen, ergänzt durch ein Spendetablet in der Anmeldung, aus dem der Schutz kostenlos entnommen werden kann. Die Kosten dafür sind gering, das Signal an die Patienten und ans Personal groß.

Zone 2: Übergangszone / Anmeldebereich

Wo die Personen näher zueinander kommen, wird die Hygiene sensibler. Regelmäßige Wischdesinfektion von Anmeldetresen, Türgriffen und Kartenlesern reduziert die Übertragungswahrscheinlichkeit. In Praxen mit hohem Durchsatz lohnt sich ein Reinigungsintervall von 60 Minuten für die Kontaktflächen – mit Wischdesinfektionstüchern nach EN 16615 ist das schnell erledigt.

Zone 3: Behandlungszimmer

Hier gilt der bekannte Standard: Händedesinfektion vor jedem Patientenkontakt, Handschuhe bei jeder direkten Untersuchung, Wechsel der Liegenauflage zwischen den Patienten. Was in der Peak-Saison zusätzlich Sinn ergibt: eine sichtbare Aufforderung an das Personal, bei jedem Patient wechsel die Liegenauflage neu zu bespannen – auch wenn es „schnell gehen" muss.

Zone 4: Personal-Bereiche

Der oft übersehene Aspekt. Die Kaffeeküche, die Pause, das Vorbereitungszimmer – hier stecken sich Praxisteams häufig gegenseitig an, weil die Wachsamkeit sinkt. Ein Handspender an der Küchentür, eine Aufforderung zum Maskenwechsel nach der Pause und das konsequente Meiden von gemeinsamem Besteck reduzieren interne Ausfälle deutlich.

Personalschutz – der wichtigste unsichtbare Effekt

In den Peak-Wochen liegt die Ausfallquote im medizinischen Personal je nach Praxis zwischen 10 und 25 Prozent. Wer eine Assistentin krank zu Hause hat, kämpft doppelt – mit dem Andrang und mit der Unterbesetzung. Die Investition in Personalschutz ist damit die vermutlich wirtschaftlichste Ausgabe der ganzen Saison. Drei Maßnahmen mit klarer Evidenz:

  • Grippeimpfung für das gesamte Team. In Österreich für medizinisches Personal empfohlen, häufig vom Arbeitgeber übernommen. Reduziert Ausfallzeiten in der eigenen Praxis um 30 bis 50 Prozent.
  • Konsequente FFP2-Nutzung bei Kontakt mit symptomatischen Patienten. Nicht permanent tragen, aber gezielt einsetzen, wenn ein Patient hustet, fiebrig ist oder mit Verdacht auf Influenza kommt. Der Schutz für das Personal ist deutlich höher als beim chirurgischen Mundnasenschutz.
  • Hygienedisziplin auch am eigenen Schreibtisch. Tastatur, Telefon, Maus sind die häufig unterschätzten Kontaminationsquellen. Ein Wischdesinfektionstuch pro Schicht auf die Arbeitsstation reicht.

Umgang mit Verdachtsfällen: Bewährte Struktur im Wartezimmer

Ein Thema, das in der Post-Pandemie-Realität differenzierter betrachtet wird als noch vor fünf Jahren. Die generelle Trennung von Verdachtsfällen und Regelpatienten wird nur noch bei Praxen mit Platz und Personal konsequent umgesetzt – die Mehrheit arbeitet mit einer weicheren Struktur:

  • Kurze telefonische Vortriage bei der Anmeldung – wer akut hustet und fiebert, bekommt einen späteren Termin oder wird in ein separates Zeitfenster verlegt
  • Sichtbare Kennzeichnung von Patienten mit Symptomen (Mundnasenschutz-Pflicht, ggf. eigenes Wartebereich-Segment)
  • Kürzere Untersuchungszeit bei symptomatischen Fällen – klare Diagnostik, klare Empfehlung, keine langen Besprechungen im geschlossenen Raum
  • Anschließende Wischdesinfektion der Kontaktflächen im Behandlungszimmer

Ob diese Struktur tatsächlich umgesetzt wird, hängt vom Platzangebot der Praxis ab. Wichtig ist, dass zumindest ein bewusster Umgang existiert und die Assistenz weiß, was in welcher Situation zu tun ist.

Häufige Fehler in der Vorbereitung

  • Bestellung erst im November – Lieferzeiten von 5 bis 10 Tagen werden zum Alltag, kritische Artikel fehlen in der Peak-Woche
  • FFP2-Vorrat auf Corona-Niveau abgebaut – für gezielten Personalschutz in der Grippesaison fehlt das Material
  • Wischdesinfektion wird bei hohem Andrang „vergessen" – gerade an den Kontaktflächen in Anmeldung und Türgriffen ist genau das der kritische Punkt
  • Handspender im Eingang leer oder gar nicht vorhanden – der kostengünstigste Schutz für Wartezimmer und Personal geht verloren
  • Grippeimpfung des Teams wird auf „später" verschoben – der Schutz beginnt aber erst 10 bis 14 Tage nach der Impfung, im November oft zu spät
  • Keine dokumentierte Vertretungsregelung für den Fall, dass 2 bis 3 Teammitglieder gleichzeitig ausfallen

FAQ

Wann sollte die Materialbestellung für die Erkältungssaison spätestens abgegeben werden?

Idealerweise bis Ende September. Der eigentliche Verbrauch startet ab Mitte Oktober, mit klarem Anstieg im November. Wer Ende September bestellt, hat den Bestand rechtzeitig, kann die eingegangene Ware in Ruhe kontrollieren und einsortieren, und vermeidet die Lieferengpässe der Peak-Wochen.

Reichen chirurgische Mundnasenschutz-Masken für das Personal aus?

Für den Standard-Patientenkontakt: ja, mit Einschränkungen. Chirurgischer Mundnasenschutz schützt primär andere vor den eigenen Tröpfchen, weniger den Träger selbst. Für den gezielten Personalschutz bei symptomatischen Patienten, Verdacht auf Influenza oder Pneumonie, sind FFP2-Masken die deutlich bessere Wahl.

Sollen wir wieder Trennwände in Anmeldung und Wartezimmer aufstellen?

In den meisten Praxen sind die Trennwände seit 2023 wieder verschwunden. Wer sie noch hat, kann sie in der Peak-Saison sinnvoll einsetzen, muss aber nicht. Wichtiger als die physische Barriere ist die konsequente Hygienekaskade – Handspender, Wischdesinfektion, Personal-Schutz.

Wie gehen wir mit fiebrigen Kindern in der Kinderarztpraxis um?

In Pädiatrie-Praxen ist die Peak-Saison besonders intensiv. Bewährte Struktur: separate Zeitfenster für Vorsorgeuntersuchungen (chronisch kranke Kinder, Impftermine), separate Zeitfenster für akute Infekte. Wer das schafft, reduziert die Kreuzinfektion zwischen den Patientengruppen deutlich.

Was tun, wenn das Team selbst reihenweise ausfällt?

Vorher planen. Eine schriftliche Vertretungsregelung, eine Liste von Aushilfen und einen Notfallablauf für die Rezeption bereithalten. In Notlagen kann die Öffnungszeit reduziert werden – das ist besser als ein völlig überforderter Betrieb, der auch die verbliebenen Kolleginnen krank macht.

Wie hoch fällt der Personal-Mehraufwand in der Peak-Saison aus?

Realistisch 15 bis 30 Prozent, kombiniert aus höherem Patientenaufkommen, mehr Hygienearbeit und mehr Telefontätigkeit (Rückfragen, Krankmeldungen, Rezepte). Wer die Vorbereitung strukturiert angeht, hält den Aufwand im unteren Bereich; wer improvisiert, landet leicht im oberen.

Bestellung und Beratung

Wir liefern das komplette Standardsortiment für die Erkältungssaison – von Nitril-Untersuchungshandschuhen über Mundnasenschutz und FFP2-Masken bis zu Wischdesinfektionstüchern nach EN 16615. Auf Anfrage stellen wir Ihnen ein Peak-Saison-Set zusammen, das den typischen Monatsbedarf einer mittelgroßen Praxis abdeckt. Erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.