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Guajak-Stuhltest in der Praxis: Wann HEMDETECT die richtige Wahl ist – und was die IVDR ändert
Die Darmkrebsvorsorge ist eines der Präventionsprogramme, deren Wirkung sich statistisch belegen lässt: Regelmäßiges Screening reduziert die kolorektale Mortalität nachweisbar. In der Umsetzung stehen den österreichischen Praxen zwei Testverfahren zur Verfügung – der klassische Guajak-Test (gFOBT) und der neuere immunochemische Test (FIT). Beide haben Berechtigung, beide werden weiterhin angewendet, und beide haben Stärken, die im jeweiligen Praxiskontext den Ausschlag geben können.
Wir bekommen im Innendienst regelmäßig die Frage, welches Verfahren wir empfehlen und ob der bewährte HEMDETECT (Guajak-Test) in der Zeit der immunochemischen Tests noch eine Rolle spielt. Die Antwort ist: ja, sehr wohl – aber mit einer klaren fachlichen Einordnung. Dieser Beitrag fasst die Unterschiede zusammen, ordnet den HEMDETECT ein und zeigt, was Sie bei der aktuellen IVDR-Umstellung wissen müssen.
gFOBT und FIT – zwei Verfahren, ein Ziel
Beide Testfamilien weisen okkultes (verborgenes) Blut im Stuhl nach. Der Unterschied liegt im Nachweisprinzip:
- Guajak-Test (gFOBT): nutzt eine chemische Reaktion – Peroxidase-ähnliche Aktivität im Blut färbt eine mit Guajakharz behandelte Testkarte blau. Ein bewährtes, etabliertes und kostengünstiges Verfahren, das seit Jahrzehnten in der Screening-Praxis eingesetzt wird.
- Immunochemischer Test (FIT/iFOBT): nutzt Antikörper, die spezifisch menschliches Hämoglobin erkennen. Vorteile: keine Ernährungseinschränkung vor der Testung, höhere Spezifität für humanes Blut, oft nur eine einzige Stuhlprobe erforderlich.
Merkmal | Guajak (gFOBT) | Immunochemisch (FIT) |
Nachweisprinzip | chemisch (Peroxidase-Aktivität) | immunologisch (humanes Hb) |
Ernährungsvorschrift | ja (rotes Fleisch, Peroxidase-haltige Gemüse meiden) | nein |
Spezifität für humanes Blut | geringer | sehr hoch |
typischerweise 3 Stuhlgänge, 3 Felder pro Test | oft eine einzige Probe | |
Auswertung | in der Praxis mit Entwicklerlösung | in der Praxis oder im Labor, teils quantitativ |
Kosten pro Test | niedrig | moderat bis hoch |
Etablierung im Screening | langjährig belegte Evidenz | in vielen internationalen Programmen mittlerweile Standard |
Aus fachlicher Sicht sind beide Verfahren zugelassen und werden im Vorsorge-Screening eingesetzt. In Österreich sind derzeit beide Testtypen im Umlauf – die konkrete Wahl richtet sich nach der jeweiligen ärztlichen Präferenz, nach dem organisatorischen Setup der Praxis und nach der Kassen-/Programmvorgabe.
Warum HEMDETECT auch in der FIT-Ära seinen Platz behält
Der klassische Guajak-Test wird trotz des Aufschwungs der immunochemischen Tests nicht abgelöst – aus mehreren guten Gründen:
- Belege durch jahrzehntelange Screening-Studien. Die randomisierten Screening-Programme mit gFOBT gehören zu den am besten dokumentierten Präventionsstudien der Medizin. Die Wirksamkeit ist unbestritten.
- Kostenstruktur. Für Screening-Programme mit hohen Fallzahlen ist der Kostenunterschied pro Test relevant. In Regionen und Programmen mit begrenztem Budget bleibt gFOBT die wirtschaftlich sinnvolle Wahl.
- Drei-Tage-Verfahren mit erhöhter Sensitivität. Die Anwendung über drei Stuhlgänge mit jeweils drei Testfeldern ergibt in Summe neun Testfelder pro Patient. Diese Redundanz kompensiert die geringere Einzelfeld-Sensitivität und ist im Gesamtergebnis diagnostisch belastbar.
- Etablierte Anwenderroutine. Praxen, die den Test seit Jahren einsetzen, kennen die Handhabung, die Interpretation und die typischen Fehlerquellen. Ein Wechsel ohne konkreten Anlass würde vertraute Prozesse aufbrechen.
- Anwendung außerhalb der Vorsorge. Neben dem Screening kommt der Test auch als diagnostischer Baustein bei Verdacht auf gastrointestinale Blutungen zum Einsatz – bei anämischen Patientinnen, bei Divertikulitis-Verdacht, bei Kolitis-Abklärung.
Der HEMDETECT im Detail
Der HEMDETECT ist ein In-Vitro-Test auf Guajak-Basis für den qualitativen Nachweis von okkultem Blut im menschlichen Stuhl. Er ist zur Auswertung in Laboratorien und Arztpraxen zugelassen. Anwendungsbereich sind Vorsorge-Screenings sowie diagnostische Untersuchungen bei gastrointestinalen Blutungen unterschiedlicher Genese.
Anwendung im 3-Tage-Schema
Die Patientin oder der Patient erhält ein Testkuvert mit drei Testkarten (Trislides) und Kartonspateln. An drei aufeinanderfolgenden Stuhlgängen wird jeweils eine kleine Menge Stuhl von zwei verschiedenen Stellen entnommen und auf die zwei Testfelder der jeweiligen Karte aufgetragen. Nach dem Trocknen werden die Karten geschlossen und zur Auswertung in die Praxis oder ins Labor zurückgebracht. Dort wird die Entwicklerlösung aufgebracht – bei Vorhandensein von okkultem Blut färbt sich das Testfeld blau.
Auswertung
Die Auswertung erfolgt ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal. Ein positives Testfeld auf einem der drei Testkarten gilt als auffälliges Ergebnis und erfordert eine weiterführende Abklärung, in der Regel durch eine Koloskopie. Falsch positive Ergebnisse durch Nahrungsbestandteile (Peroxidase in rotem Fleisch, Blattgemüse) sind bekannt – daher die Ernährungsvorschrift vor der Testung.
Achtung: Aktuelle IVDR-Umstellung – der Bestellprozess ändert sich
Ein regulatorisch wichtiger Punkt, der viele Bestellabläufe konkret betrifft: Mit der Umsetzung der EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR) wird der HEMDETECT von der bisherigen Klasse der IVDD in die Risikoklasse A überführt. Das hat konkrete Folgen für die Produktstruktur.
Bis vor kurzem wurde der komplette Test als ein Kit unter der Art.-Nr. D596090 ausgeliefert (50 × 3 Trislides + 2 × 19,9 ml Entwicklerlösung in einer Packung). Ab der Umstellung wird das Kit in zwei separate Produkte aufgeteilt:
Neue Art.-Nr. | Inhalt |
D596050 – HEMDETECT Trislides | 50 × 3 Trislides mit Kartonspateln, für die Probennahme durch den Patienten |
D596020 – HEMDETECT Entwicklerlösung | 2 × 19,9 ml Entwicklerlösung, für die Auswertung in Praxis oder Labor |
Was das für die Bestellpraxis bedeutet: Wer bislang eine Packung „HEMDETECT" bestellt hat, muss künftig beide Artikel separat ordern, um ein vollständiges Testset zu erhalten. Das erlaubt aber auch – und das ist der praktische Vorteil – eine unabhängige Nachbestellung der jeweiligen Komponente. Praxen, die schneller Trislides verbrauchen als Entwicklerlösung (etwa bei hoher Vorsorge-Frequenz), können bedarfsgerecht ordern, ohne unnötige Bestände anzulegen. Technisch und funktional bleibt das Produkt unverändert.
Für Praxen mit Rahmenverträgen und definiertem Bestellrhythmus empfehlen wir eine kurze Prüfung: Wie hoch ist der reale Verbrauch der beiden Komponenten? Ergibt sich ein Ungleichgewicht, das bislang durch das gemeinsame Kit überdeckt war?
Häufige Fehler in Anwendung und Interpretation
- Der Patient erhält keine oder unvollständige Instruktionen zur Ernährungsvorschrift – falsch positive Ergebnisse durch rotes Fleisch, Blattspinat oder Rettich sind vermeidbar, wenn drei Tage vor Testbeginn entsprechend gegessen wird
- Die Kartonspatel werden zu tief in die Stuhlprobe eingetaucht – zu viel Material auf dem Testfeld führt zu Fehlreaktionen; eine dünne Schicht reicht
- Die Testkarten werden nicht rechtzeitig zur Praxis zurückgebracht – ältere Karten verlieren an Aussagekraft; ein realistisches Zeitfenster (typisch bis zu 2 Wochen ab erster Probennahme) muss kommuniziert werden
- Positive Ergebnisse werden ohne weiterführende Abklärung verworfen – ein einziges positives Feld unter neun ist bereits ein auffälliges Ergebnis und rechtfertigt die Koloskopie-Empfehlung
- Negative Ergebnisse werden als „Freispruch" kommuniziert – ein negativer gFOBT schließt eine Kolonpathologie nicht sicher aus; das Screening-Intervall bleibt einzuhalten
- Die Entwicklerlösung wird bei falscher Temperatur oder abgelaufener Haltbarkeit verwendet – falsch negative Ergebnisse sind die Folge; das Ablaufdatum gehört bei jeder Anwendung geprüft
- Aktive Blutung außerhalb des Gastrointestinaltrakts wird nicht bedacht – Hämorrhoiden, Menstruation und Zahnfleischblutungen können den Test beeinflussen; entsprechende Anamnese vor Ausgabe
FAQ
Muss ich als Praxis auf FIT umstellen?
Nicht zwangsweise. Beide Testtypen – Guajak und immunochemisch – sind zugelassen und werden angewendet. Die Entscheidung hängt von der Zielgruppe der Praxis, der bestehenden Anwenderroutine und der jeweiligen Kassen-/Programmvorgabe ab. Wer mit dem HEMDETECT eine funktionierende Screening-Routine hat, kann diese fortführen; wer neu einsteigt oder Prozesse umstellt, sollte den Vergleich strukturiert prüfen.
Wie oft sollte der Test wiederholt werden?
Bei asymptomatischen Patientinnen im Screening-Setting ist ein jährliches bis zweijährliches Testintervall die etablierte Praxis. Bei diagnostischer Anwendung im Krankheitsverdacht richtet sich der Rhythmus nach der klinischen Situation. Die konkrete Empfehlung erfolgt gemäß den geltenden Leitlinien und Vorgaben der Sozialversicherung.
Was bedeutet die IVDR-Umstellung für laufende Bestellungen?
Bestehende Bestände unter der alten Art.-Nr. D596090 sind weiterhin einsetzbar, bis sie aufgebraucht sind. Neubestellungen erfolgen künftig getrennt unter D596050 (Trislides) und D596020 (Entwicklerlösung). Für eine reibungslose Übergangsphase empfehlen wir eine kurze Bestandsaufnahme und ggf. eine Anpassung der Rahmenvertragsmengen.
Kann der Test auch in der Heimpflege eingesetzt werden?
Die Probennahme selbst erfolgt durch die Patientin bzw. den Patienten oder eine Pflegekraft im häuslichen Umfeld – das ist einer der Vorteile des Verfahrens. Die Auswertung mit der Entwicklerlösung bleibt ausschließlich medizinischem Fachpersonal vorbehalten und erfolgt in Praxis oder Labor.
Was tun bei positivem Testergebnis?
Ein positives Testergebnis erfordert die weiterführende Abklärung, in der Regel durch eine Koloskopie. Die Aussagekraft eines positiven gFOBT ist begrenzt (keine Lokalisationsangabe, mögliche falsch positive Ursachen), aber ein positives Ergebnis rechtfertigt die diagnostische Kaskade. Die konkrete Vorgehensweise wird individuell entschieden.
Wie hoch ist die Sensitivität des Tests für kolorektale Karzinome?
Die Sensitivität einzelner Guajak-Tests ist im internationalen Vergleich niedriger als bei quantitativen FIT-Tests. Durch das 3-Tage-Schema mit insgesamt 9 Testfeldern wird die Ergebnissicherheit im Gesamttest jedoch deutlich erhöht. Die Wirksamkeit im Screening-Setting ist durch großangelegte Studien belegt.
Wie lagere ich die Trislides und die Entwicklerlösung?
Beide Komponenten werden trocken und bei Raumtemperatur gelagert. Die Entwicklerlösung ist besonders vor Wärme und direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Das Ablaufdatum auf der jeweiligen Verpackung ist die verbindliche Grenze – abgelaufene Reagenzien liefern keine verlässlichen Ergebnisse.
Bestellung und Beratung
Der HEMDETECT (Art.-Nr. D596090 in der Übergangsphase; künftig D596050 Trislides und D596020 Entwicklerlösung) ist über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar. Bei Fragen zur IVDR-Umstellung, zur bedarfsgerechten Bestellmenge oder zur Vergleichsberatung Guajak vs. FIT für Ihre Praxis erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.
