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Aktuelles/Info

Kanülenfixierung: Wie das richtige Pflaster die Verweildauer der PVVK verlängert

 

Bei der Anlage einer peripheren Venenverweilkanüle (PVVK) ist die Aufmerksamkeit in den ersten Minuten auf einen einzigen Punkt gerichtet: den erfolgreichen Erst-Einstich. Was danach folgt – die Fixierung der Kanüle mit einem Pflaster – wird oft als reine Formalität behandelt. Dabei entscheidet genau dieser Schritt darüber, wie lange die PVVK verlässlich in der Vene bleibt, ob es zu einer Phlebitis kommt und wie gut sich Anzeichen einer beginnenden Komplikation frühzeitig erkennen lassen.

In diesem Beitrag ordnen wir ein, was ein modernes Kanülenfixierpflaster leisten muss, wo die klassische Vlies-Variante mit Wundauflage (unser Rudaven plus, Art.-Nr. 072186) ihren Sweetspot hat und wann ein transparentes Polyurethan-Modell (Rudaven universal, Art.-Nr. 072386) die bessere Wahl ist.

Vier Aufgaben, die ein gutes Kanülenfixierpflaster erfüllt

Ein Fixierpflaster für eine periphere Venenverweilkanüle ist mehr als eine Klebefläche. Es hat vier klar definierte Aufgaben, die sich in der Alltagspraxis spürbar auswirken:

  • Mechanische Fixierung. Die Kanüle muss verlässlich an der eingeführten Position bleiben – auch bei Patientenbewegung, beim Anlegen der Infusion oder beim Umlagern. Eine dislozierte PVVK, die aus der Vene rutscht, führt zur Infiltration ins subkutane Gewebe – schmerzhaft für den Patienten, ärgerlich für den Anwender.
  • Infektionsschutz an der Punktionsstelle. Die Einstichstelle ist eine offene Eintrittspforte für Erreger. Eine sterile Wundauflage bzw. eine dichte Folienabdeckung reduziert das Risiko einer katheterassoziierten Infektion. Genau darum ist die Sterilität der Pflasterversorgung so wichtig wie die des Katheters selbst.
  • Beobachtbarkeit der Einstichstelle. Rötung, Schwellung und Verhärtung sind die Frühzeichen einer beginnenden Phlebitis oder Infektion. Wer sie schnell erkennt, wechselt den Zugang rechtzeitig und vermeidet Komplikationen. Klassische Vlies-Pflaster erlauben diese Beobachtung nur durch Entfernen des Verbands, transparente Folien machen sie im laufenden Betrieb möglich.
  • Hautverträglichkeit. Bei Verweildauern von 72 Stunden oder länger sitzt das Pflaster mehrere Tage auf empfindlicher Haut. Ein aggressiver Kleber verursacht Reizung, Rötung und im schlimmsten Fall Kontaktdermatitis – dann muss das Pflaster früher entfernt werden, obwohl der Zugang selbst noch funktioniert.

Klassische Vlies-Pflaster mit Wundauflage – der bewährte Standard

Das klassische Kanülenfixierpflaster ist ein weißes Klebevlies mit integrierter Wundauflage. Die Wundauflage sitzt genau über der Einstichstelle, das Klebevlies fixiert die Kanüle rundherum. Ein zusätzlicher Vliesstoffabschnitt polstert die harten Kunststoffteile der Kanüle, damit sie nicht auf die Haut drücken.

Die Vorteile dieser Bauart:

  • Hoher Tragekomfort – das Vlies ist elastisch und passt sich der Haut an
  • Gute Saugfähigkeit über der Wundauflage – kleine Blutspuren an der Einstichstelle werden aufgenommen, ohne dass das Pflaster durchgeblutet werden muss
  • Bewährte Hautverträglichkeit auch bei mehrtägiger Verweildauer, dank hypoallergenem Polyacrylatkleber
  • Günstiger Stückpreis im Vergleich zu Folienpflastern

Der Nachteil: Die Einstichstelle ist unter der Vlies-Wundauflage nicht sichtbar. Wer eine beginnende Phlebitis erkennen will, muss das Pflaster teilweise oder ganz ablösen. Das reduziert die praktische Verweildauer – und ist einer der Gründe, warum in vielen Häusern zusätzlich zur Vlies-Fixierung ein Foliensubstitut zum Einsatz kommt.

K.Ä.B. Rudaven plus (072186) im Detail

Merkmal

Spezifikation

Art.-Nr.

072186

Hersteller

NOBAMED Paul Danz AG

Konstruktion

weißes Klebevlies mit integrierter Wundauflage und zusätzlichem Vliesstoffabschnitt zur Polsterung

Klebstoff

hypoallergener Polyacrylatkleber, latexfrei

Randgestaltung

abgerundete Ecken – verhindert Aufrollen

Abmessung

8 × 6 cm

Sterilität

einzeln steril versiegelt

Packung

50 Stück

 

Zwei konstruktive Details, die im Alltag den Unterschied ausmachen: die abgerundeten Ecken und der zusätzliche Vliesstoffabschnitt. Rechteckige Pflaster mit spitzen Ecken beginnen an den Kanten früher zu rollen – vor allem an gelenknahen Stellen wie dem Handrücken. Die abgerundete Kante verhindert diesen Effekt und verlängert die Standzeit der Fixierung um mehrere Stunden bis zu einem Tag. Der zusätzliche Vliesstoffabschnitt wird zwischen Kanülenhals und Haut positioniert – er verhindert Druckstellen, die bei längerer Verweildauer schmerzhaft werden können.

K.Ä.B. Rudaven universal (072386) – die transparente Alternative

Für Situationen, in denen die Beobachtbarkeit der Einstichstelle wichtiger ist als die Wundauflage, führen wir die transparente Variante Rudaven universal. Sie kombiniert einen atmungsaktiven, transparenten Polyurethanfilm mit zwei selbsthaftenden Vliesstreifen für die eigentliche Kanülenfixierung.

Merkmal

Spezifikation

Art.-Nr.

072386

Konstruktion

transparenter Polyurethanfilm mit Rahmenapplikationstechnik plus 2 selbsthaftende Vliesstreifen

Klebstoff

hypoallergener Polyacrylatkleber

Besonderheit

Monitoring der Punktionsstelle möglich, ohne den Verband zu entfernen

Abmessung

7,0 × 8,5 cm

Packung

50 Stück

Karton

20 Packungen

 

Für Stationen mit mehrtägigen Zugängen und regelmäßiger Inspektion der Einstichstelle ist die transparente Variante die praxisnähere Lösung. Bei erhöhtem Blutungsrisiko oder bei stärker exsudierenden Einstichstellen ist die klassische Vlies-Variante mit Wundauflage im Vorteil.

Klassisch vs. transparent – Entscheidungshilfe

Situation

Empfehlung

Grund

Frische Punktion mit leichter Blutung

Rudaven plus

Wundauflage nimmt Blutspuren auf

Langzeit-Zugang > 48 h

Rudaven universal

Monitoring ohne Verbandswechsel

Notfallmedizin, Rettungsdienst

Rudaven plus

schnelle Anwendung, robust

Intensivstation, hohes Infektionsrisiko

Rudaven universal

Frühzeichen sichtbar, tägliches Monitoring

Ambulante PVVK für Kurzinfusion

Rudaven plus

bewährter Standard, wirtschaftlich

Patient mit besonders empfindlicher Haut

beides möglich

hypoallergener Kleber in beiden Varianten

 

Anwendungshinweise für die sichere Fixierung

Auch das beste Pflaster funktioniert nur so gut, wie es angebracht wird. Fünf Punkte, die in Schulungen regelmäßig als Verbesserungspunkte auftauchen:

  • Haut vor dem Aufkleben trocken tupfen. Feuchte Haut reduziert die Klebekraft dramatisch. Nach der Hautdesinfektion die Verdunstung abwarten – das ist ohnehin Teil der 30-Sekunden-Regel.
  • Pflaster ohne Zug aufbringen. Wer das Pflaster spannt, erzeugt eine Zugspannung, die Blasen und Hautirritationen verursachen kann. Locker auflegen, dann leicht andrücken.
  • Kanülenhub und -flügel stabil fixieren. Der Kanülenhub soll fest sitzen, die Kanüle darf sich nicht in der Vene drehen oder verschieben. Ein zweites, kleineres Fixierpflaster als Anker über dem Schlauchansatz ist bei aktiven Patienten sinnvoll.
  • Datum auf das Pflaster schreiben. Beim Anlegen der PVVK das Datum mit Filzstift direkt auf das Pflaster notieren. Das erleichtert die Dokumentation und macht den geplanten Wechsel-Zeitpunkt für alle Kolleginnen sofort sichtbar.
  • Bei transparentem Pflaster: Verband und Zugang bei jeder Schicht inspizieren. Der Vorteil der transparenten Variante entfaltet sich nur, wenn tatsächlich hingeschaut wird. Die tägliche Kontrolle auf Rötung, Schwellung, Blutung, Sekret gehört zur Routine.

Was die KRINKO zum PVVK-Wechsel sagt

Ein Punkt, der in Beschaffungsgesprächen regelmäßig aufkommt: Wie lange darf eine PVVK samt Fixierung liegen? Die Empfehlung der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die früher gängige Vorgabe eines fixen 72-Stunden-Wechsels wurde zugunsten einer klinisch indizierten Strategie überarbeitet: Die PVVK bleibt liegen, solange sie funktionsfähig, ohne Komplikationszeichen und ordnungsgemäß fixiert ist. Wechselgrund sind konkrete Anzeichen (Phlebitis, Dislokation, Verstopfung), nicht das Ablaufen einer Frist.

Für die Fixierpflaster-Wahl bedeutet das: Ein transparentes Pflaster, das die tägliche Inspektion ohne Verbandswechsel erlaubt, spielt seine Vorteile bei dieser Strategie voll aus. Bei einer starren Zeitregelung ist der Vorteil geringer, weil das Pflaster ohnehin regelmäßig gewechselt wird. Die jeweilige Empfehlung des eigenen Hauses geht selbstverständlich vor.

Häufige Fehler

  • Pflaster wird auf noch feuchte Haut aufgebracht – Klebekraft ist um bis zu 50 Prozent reduziert
  • Rechteckige Pflaster mit spitzen Ecken werden verwendet – rollen sich am Handrücken schneller auf; Rudaven plus hat aus diesem Grund abgerundete Ecken
  • Beim Entfernen wird das Pflaster senkrecht abgezogen statt parallel zur Haut – schmerzhaft und hautschädigend
  • Bei transparenten Pflastern: das Fenster wird zugeklebt oder überklebt – der Beobachtungsvorteil geht verloren
  • Fixierdatum wird nicht dokumentiert – der geplante Wechsel wird verpasst oder unnötig früh durchgeführt
  • Bei behaarten Stellen wird nicht rasiert oder gekürzt – beim Entfernen werden Haare mitausgerissen

FAQ

Wie lange darf ein Rudaven plus auf der Haut bleiben?

Das richtet sich nach den internen Standards des Hauses und dem Zustand der Einstichstelle. Bei intaktem Pflaster ohne sichtbare Verschmutzung, ohne Ablösung und ohne Anzeichen einer Reaktion an der Einstichstelle sind mehrtägige Verweildauern üblich. Bei sichtbaren Auffälligkeiten wird das Pflaster gewechselt und die Einstichstelle inspiziert.

Ist das Pflaster wasserdampfdurchlässig?

Das Klebevlies des Rudaven plus ist atmungsaktiv, wasserdampfdurchlässig, aber nicht wasserabweisend im Sinne einer Folie. Für Duschen ist eine zusätzliche wasserdichte Abdeckung sinnvoll, sofern die Kanüle im Wasser bleiben soll.

Kann ich das Pflaster mit anderen Wundauflagen kombinieren?

Ja. In der Praxis wird oft das Rudaven plus als Grundfixierung verwendet und mit einem zusätzlichen transparenten Folienpflaster (etwa das RUDAVLIES transparent, Art.-Nr. 072286) für die Sicherung des Katheteransatzes kombiniert. Diese Kombination gibt Halt und erlaubt gleichzeitig Beobachtung – für den Preis eines etwas höheren Materialaufwands.

Ist das Pflaster für Kinder geeignet?

Ja, die hypoallergene Kleberformulierung ist auch für empfindliche Kinderhaut geeignet. Bei sehr kleinen Kindern oder Frühgeborenen werden in der Neonatologie oft spezielle Pflaster mit reduzierter Klebekraft verwendet – hier beraten wir zu passenden Alternativen.

Was tun bei Hautirritation unter dem Pflaster?

Bei Rötung oder Juckreiz das Pflaster vorsichtig entfernen und eine alternative Klebstoffbasis prüfen (Silikon-Kleber statt Polyacrylat). Bei wiederholter Reaktion an derselben Klebstoffbasis ist eine Kontaktsensibilisierung wahrscheinlich – dokumentieren und bei zukünftigen Anlagen berücksichtigen.

Warum gibt es zwei Größen und Varianten im Sortiment?

Weil PVVK-Anlagen in unterschiedlichen Situationen mit unterschiedlichen Anforderungen einhergehen. Der Rudaven plus (8 × 6 cm) mit Wundauflage ist der bewährte Standard für die klassische Anlage; der Rudaven universal (7 × 8,5 cm) mit transparentem Fenster ist die Wahl, wenn Beobachtbarkeit zählt. Für die Grundausstattung führt ein Standardsortiment am besten beide Varianten.

Bestellung und Beratung

Der K.Ä.B. Rudaven plus (Art.-Nr. 072186) und der Rudaven universal (Art.-Nr. 072386) sind über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar. Für Rahmenverträge, Kombilieferungen mit Venenverweilkanülen oder Beratung zur passenden Auswahl für Ihre Einrichtung erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.