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Aktuelles/Info

BD SAF-T-INTIMA: Passiver Nadelschutz für subkutane und intravenöse Zugänge

 

Die EU-Richtlinie 2010/32 und die österreichische Nadelstichverordnung verlangen den Einsatz von Sicherheitsprodukten überall dort, wo dies technisch möglich ist. Was in der Praxis bleibt, ist die Frage: Welche Art von Sicherheitssystem passt zu welcher Anwendung? Die Antwort ist nicht immer trivial – und die Wahl zwischen aktiver und passiver Nadelschutztechnik hat spürbare Auswirkungen auf Anwender-Sicherheit, Personalzeit und die Verletzungsstatistik der Einrichtung.

Wir stellen in diesem Beitrag den BD SAF-T-INTIMA vor – einen Sicherheitsverweilkatheter mit passivem Nadelschutz, der in Palliativmedizin, Pädiatrie und geriatrischer Versorgung eine feste Rolle hat. Der Beitrag richtet sich an Praxismanager, Hygienebeauftragte und Pflegeleitungen, die für ihre Einrichtung entscheiden, ob und in welchem Umfang der Wechsel auf passive Sicherheitssysteme sinnvoll ist. Für den Umgang mit tatsächlich eingetretenen Verletzungen verweisen wir auf unseren ausführlichen Ratgeber zur Erstversorgung bei Nadelstichverletzungen.

Passiver vs. aktiver Nadelschutz – der zentrale Unterschied

Sicherheits-Venenverweilkanülen gibt es in zwei grundsätzlichen Bauformen, die sich in einem entscheidenden Punkt unterscheiden: Wann und durch wen wird der Nadelschutz aktiviert?

  • Aktive Sicherheitssysteme: Der Anwender muss den Schutzmechanismus nach dem Ziehen der Nadel manuell auslösen – meist durch einen Knopfdruck oder eine Schiebebewegung. Vorteil: Der Zeitpunkt ist wählbar. Nachteil: Wird der Mechanismus vergessen, umgangen oder falsch bedient, ist der Schutz wirkungslos.
  • Passive Sicherheitssysteme: Der Nadelschutz wird automatisch aktiviert, sobald die Nadel aus dem Patienten gezogen wird. Der Anwender muss nichts zusätzlich tun. Vorteil: Kein Anwender-Fehler möglich. Der BD SAF-T-INTIMA gehört zu dieser Kategorie – beim Herausziehen versenkt sich die Nadel automatisch in einer integrierten Kanülenschutzkammer.

Die Studienlage zeigt konsistent: Passive Systeme senken die Nadelstichverletzungsrate deutlich stärker als aktive. Der Grund ist einfach – ein automatisch auslösender Mechanismus umgeht den kritischsten Moment, in dem klassische Verletzungen entstehen: den Zeitraum zwischen Ziehen der Nadel und ihrer sicheren Entsorgung.

Was den SAF-T-INTIMA konstruktiv besonders macht

Der BD SAF-T-INTIMA ist nicht einfach eine Venenverweilkanüle mit angehängtem Schutz. Er ist ein von Grund auf durchdachtes geschlossenes System („closed IV catheter"), das mehrere Konstruktionsprinzipien vereint:

  • Integrierte Kanülenschutzkammer. Die eigentliche Punktionsnadel wird beim Ziehen automatisch in einer Kammer versenkt und verriegelt. Kein Nachziehen, kein manueller Auslöser, kein Kontakt mit der gebrauchten Nadel.
  • Kurzer, flexibler Katheter mit Y-Ansatz. Statt eines langen Katheters mit direktem Luer-Anschluss hat der SAF-T-INTIMA einen kurzen Katheter mit einem integrierten Y-Schlauch. Der Zuspritz- und Anschluss-Punkt liegt damit außerhalb des Punktionsbereichs – Bewegungen am Verbindungsschlauch übertragen sich nicht direkt auf die Vene.
  • Hohe Knickbeständigkeit und Antithrombogenität. Das Kathetermaterial ist so ausgelegt, dass Knicke im Alltag toleriert werden und die Innenoberfläche die Thrombusbildung reduziert. Wichtig bei längeren Verweilzeiten und im subkutanen Einsatz.
  • Röntgenkontrastfähigkeit. Der Katheter ist im Röntgen sichtbar – relevant bei radiologischen Kontrollen und im Bedarfsfall der Lokalisierung.

Typische Einsatzbereiche

Subkutane Palliativversorgung

Der wahrscheinlich häufigste Anwendungsbereich außerhalb der klassischen intravenösen Therapie. In der ambulanten und stationären Palliativmedizin werden Analgetika (etwa Morphin), Antiemetika, Sedativa und Flüssigkeit häufig subkutan verabreicht – gut verträglich, mit geringer Belastung für die Patientin. Der SAF-T-INTIMA sitzt typischerweise am Bauch, Oberarm oder Oberschenkel; die Verweildauer beträgt oft mehrere Tage. Die Kombination aus passivem Nadelschutz und Y-Ansatz ist für dieses Setting ideal.

Kopfvenenpunktion in der Pädiatrie

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind periphere Venen an Extremitäten oft schwer zu punktieren. Die Kopfvenen (Vv. temporales) bieten sich als Alternative an. Der kurze Katheter des SAF-T-INTIMA ist für diese Anwendung besser geeignet als klassische PVVK mit langem Katheter.

Geriatrie und schwierige Venenverhältnisse

Ältere Patientinnen und Patienten mit stark reduziertem Hautturgor, brüchigen Venen oder starken Schwellungen sind mit klassischen PVVK oft nur schwer zu versorgen. Der SAF-T-INTIMA erlaubt eine zuverlässige Punktion auch in Situationen, in denen der Zugang sonst nicht gelingt.

Ambulante Chemotherapie und Kurzzeitinfusion

Für kurze intravenöse Applikationen ohne Notwendigkeit eines zentralvenösen Zugangs ist der SAF-T-INTIMA eine praktikable Wahl – besonders dort, wo ein hohes Personalschutz-Niveau gefordert ist.

BD SAF-T-INTIMA im K.Ä.B.-Sortiment

Wir führen den BD SAF-T-INTIMA in mehreren Größen. Die konkrete Zuordnung von Kathetergröße zu Artikelnummer entnehmen Sie bitte dem aktuellen Shop – hier eine Übersicht der geführten Varianten:

Art.-Nr.

Anwendungs-Schwerpunkt

Typischer Einsatzbereich

383318

kleinste Größe

Pädiatrie, Kopfvenen, feine Venen

383328

Standardgröße

Subkutane Palliativversorgung, Erwachsene

383329

größere Variante

Intravenöse Kurzzeitinfusion, kräftigere Venen

 

Alle Varianten verfügen über denselben passiven Nadelschutzmechanismus und erfüllen die Anforderungen der TRBA 250 an sichere Arbeitsmittel im Gesundheitswesen. Der Hersteller BD (Becton Dickinson) ist einer der etablierten Anbieter für Sicherheitsprodukte im Injektions- und Infusionsbereich; die Marke ist international eingeführt.

Wirtschaftliche Betrachtung: Wann sich der Wechsel rechnet

Sicherheitsverweilkanülen kosten pro Stück mehr als klassische Standard-PVVK. Die relevante Frage ist nicht der Stückpreis, sondern die Vollkostenrechnung, die Verletzungsrisiko, Personalausfall und Nachversorgung mit einbezieht:

  • Kosten pro Nadelstichverletzung: Studien beziffern die durchschnittlichen Folgekosten einer Nadelstichverletzung – Diagnostik, ggf. PEP, Follow-up-Kontrollen über 6 Monate, Personalausfall, administrative Aufwendungen – auf mehrere hundert bis wenige tausend Euro. Bereits eine vermiedene Verletzung amortisiert eine hohe Zahl teurerer Sicherheitsprodukte.
  • Personalzeit-Effekt: Die passive Aktivierung erspart im Alltag die Sekunden, die für die manuelle Auslösung aktiver Systeme nötig wären. Über hunderte Anwendungen pro Woche summiert sich das messbar.
  • Regulatorische Compliance: Die konsequente Verwendung von Sicherheitsprodukten ist Teil der Umsetzung der Nadelstichverordnung. Einrichtungen ohne dokumentierte Verwendung riskieren im Ernstfall haftungsrechtliche Nachfragen.
  • Psychologischer Faktor: Das Wissen, mit einem sicheren System zu arbeiten, verändert die Belastung im Arbeitsalltag. Personal, das sich sicher fühlt, arbeitet konzentrierter – ein Effekt, der sich zwar nicht direkt in Euro rechnen lässt, aber im Praxis- und Klinikalltag deutlich spürbar ist.

Häufige Anwendungsfehler

  • Der SAF-T-INTIMA wird wie eine klassische PVVK gehandhabt und der Y-Anschluss ignoriert – die Vorteile des Y-Systems (Bewegungsentkopplung, Zuspritzmöglichkeit) bleiben ungenutzt
  • Nach dem Ziehen wird die Nadel aus der Schutzkammer manuell wieder herausgezogen (etwa, um sie „genau zu inspizieren") – damit ist der passive Schutz umgangen und die Verletzungsgefahr wieder da
  • Die falsche Größe wird gewählt – zu große Katheter in schmale Venen führen zu Reizung und Verletzung, zu kleine Katheter verstopfen bei viskösen Flüssigkeiten
  • Bei subkutaner Anwendung wird die Punktion zu flach gesetzt – der Katheter liegt intradermal statt subkutan, mit Schmerzen und Wirkverlust bei der Medikation
  • Die Fixierung wird ohne Cross-Link zum Rudaven-Fixierpflaster gemacht – der SAF-T-INTIMA braucht wegen des Y-Ansatzes eine spezifische Fixierungstechnik, damit der Anschluss nicht abbricht
  • Der Kanülenabwurfbehälter steht nicht in Reichweite – auch der beste Sicherheitsmechanismus kann eine schlechte räumliche Organisation nicht ausgleichen; siehe TRBA 250 und unseren Beitrag zum Kanülenabwurfbehälter

FAQ

Ist der SAF-T-INTIMA für die dauerhafte Infusion geeignet?

Für kontinuierliche intravenöse Infusionen ist der SAF-T-INTIMA weniger typisch. In der subkutanen Palliativversorgung sind dagegen mehrtägige Verweilzeiten üblich. Für längere intravenöse Applikationen kommen andere PVVK-Systeme oder zentralvenöse Zugänge in Frage.

Wie unterscheidet sich der SAF-T-INTIMA von einer klassischen PVVK wie der Venotiva?

Konstruktiv sind es zwei verschiedene Instrumente. Die Venotiva ist eine klassische periphere Venenverweilkanüle mit direktem Luer-Ansatz – die Standardlösung für intravenöse Infusionstherapie mit vollem Zugang. Der SAF-T-INTIMA ist ein Sicherheitsverweilkatheter mit kurzem Katheter und Y-Ansatz, ausgelegt für subkutane Anwendung, Kopfvenenpunktion und schwierige Venenverhältnisse. Beide Produkte ergänzen sich – sie sind keine Konkurrenten.

Was heißt „passiver Nadelschutz" konkret?

Der Schutzmechanismus wird automatisch ausgelöst, sobald die Punktionsnadel aus dem Patienten gezogen wird. Der Anwender muss nichts drücken, schieben oder aktivieren. Damit sind Anwender-Fehler beim Aktivieren des Schutzes ausgeschlossen.

Kann ich über den Y-Ansatz Medikamente zuspritzen?

Ja, der Y-Ansatz ist genau dafür ausgelegt. Wichtig: Vor jeder Zuspritzung Wischdesinfektion der Zuspritzstelle nach den Hausrichtlinien, und – falls für die spezifische Anwendung vorgesehen – ein nadelfreier Konnektor als Zwischenglied.

Wie ist der SAF-T-INTIMA zu fixieren?

Aufgrund des Y-Ansatzes braucht der SAF-T-INTIMA eine Fixierung, die sowohl den Katheter selbst als auch den Y-Schlauch stabilisiert. Ein transparentes Folienpflaster für die Einstichstelle und ein zusätzliches Fixierpflaster für den Y-Schlauch sind die Standard-Kombination. Die transparente Folie erlaubt außerdem die tägliche Inspektion der Einstichstelle.

Muss der SAF-T-INTIMA in einer bestimmten Zeit gewechselt werden?

Die Wechselstrategie folgt der klinisch indizierten Vorgabe der KRINKO: Der Zugang bleibt, solange er funktionsfähig, ohne Komplikationszeichen und ordnungsgemäß fixiert ist. Konkrete Grenzwerte richten sich nach der Hausleitlinie. In der subkutanen Palliativversorgung sind Verweilzeiten von mehreren Tagen üblich.

Bestellung und Beratung

Der BD SAF-T-INTIMA Sicherheitsverweilkatheter (Art.-Nrn. 383318, 383328, 383329) ist über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar. Für Rahmenverträge, kombinierte Bestellungen mit Fixierpflastern (Rudaven plus, Rudaven universal) oder eine Beratung zur passenden Größe für Ihre Anwendung erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.