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Aktuelles/Info

Nadelfreier Konnektor KABL17: Wo der Kombistopfen aufhört und der Konnektor beginnt

 

Mit dieser Woche startet unser Katheter- und Konnektoren-Cluster. Vor dem NOBACATH-Katheter am Dienstag, dem KRINKO-Ratgeber am Mittwoch, der Urindrainage am Donnerstag und der Perfusor-Spritze am Freitag steht heute ein Produkt, das in unserem Sortiment ganz vorne mitspielt und trotzdem in vielen Praxen weniger Beachtung findet, als ihm zusteht: der nadelfreie Konnektor KABL17.

Für alle, die den Kombistopfen-Beitrag aus der ersten Serie im Kopf haben: Der Kombistopfen (NDCU10) ist das Standard-Verschlussstück für den Luer-Anschluss eines periphervenösen Zugangs, wenn keine Infusion läuft. Er ist einfach, wirtschaftlich und im Alltag zuverlässig. Der nadelfreie Konnektor ist der nächste Schritt: Er löst den Kombistopfen dort ab, wo häufige Bolus-Applikationen, mehrfache Blutabnahmen oder ein aktives Sicherheitskonzept mehr verlangen als eine einfache Verschluss-Funktion. Wir erklären in diesem Beitrag, wo genau die Grenze zwischen beiden Produkten verläuft – und warum der KABL17 in der modernen Praxis ein Standard geworden ist.

Was ein nadelfreier Konnektor eigentlich tut

Ein nadelfreier Konnektor ist ein Verbindungsstück, das auf den Luer-Anschluss eines intravaskulären Zugangs (PVVK, ZVK, Portsystem) aufgesetzt wird und drei Kernfunktionen kombiniert:

  • Verschluss des offenen Luer-Anschlusses. Wie beim Kombistopfen: Der Zugang ist zwischen Anwendungen dicht verschlossen, Kontamination und Aerosol-Austritt sind blockiert.
  • Zugang ohne Aufsatz-Nadel. Der entscheidende Unterschied. Eine Spritze mit Luer-Anschluss wird direkt auf den Konnektor aufgesetzt, ein internes Septum öffnet sich unter dem Druck des Spritzenkonus und ermöglicht die Applikation. Keine Nadel, kein Nadelstichrisiko, kein zusätzlicher Kanülenabwurf.
  • Kontrollierte Flüssigkeitsverdrängung. Beim Abziehen der Spritze steuert die Konstruktion des Konnektors, wie sich das Restvolumen im Katheter verhält – ohne, mit positiver oder mit neutraler Rückverdrängung. Dazu gleich mehr.

Für die Anwenderin heißt das: Statt eines Kombistopfens, der bei jeder Anwendung entfernt und wieder aufgesetzt wird, sitzt der nadelfreie Konnektor dauerhaft auf dem Zugang. Die Applikation erfolgt durch einfaches Aufsetzen der Luer-Spritze, ohne die geschlossene Verbindung zwischen Konnektor und Katheter zu unterbrechen. Das reduziert Anwendungsschritte, senkt Kontaminationsrisiken und macht das gesamte System sicherer.

Warum die Nadelfreiheit die Praxis verändert hat

Nadelfreie Konnektoren sind kein neues Konzept – sie werden in Kliniken seit über zwei Jahrzehnten eingesetzt. Ihre schrittweise Verbreitung in die niedergelassene Praxis und die Pflegeeinrichtung ist trotzdem noch nicht abgeschlossen. Zwei Gründe machen den Wechsel wirtschaftlich wie regulatorisch attraktiv:

Systematische Nadelstichprävention

Jede Bolus-Applikation, jede Blutabnahme aus einem liegenden Zugang, jede Spülung erfordert bei klassischen Systemen entweder eine Kanüle oder das Ablösen des Verschlussstücks – beides sind Momente mit Nadelstichrisiko. Der nadelfreie Konnektor eliminiert diese Momente vollständig. Für Einrichtungen, die konsequent Nadelstichprävention umsetzen (siehe unseren Beitrag "Fünf Hebel gegen Nadelstichverletzungen"), ist der Wechsel auf nadelfreie Konnektoren einer der wirksamsten Einzelschritte.

Reduktion katheterassoziierter Blutkreislaufinfektionen (CRBSI)

Bei jedem Öffnen eines konventionellen Verschlussstücks besteht das Risiko einer Kontamination des Luer-Anschlusses und damit potenziell des gesamten Katheters. Das nadelfreie Konnektor-System löst dieses Risiko durch ein geschlossenes System mit desinfizierbarem Septum. Klinische Untersuchungen zeigen für Systeme mit Split-Septum-Design deutlich niedrigere CRBSI-Raten (katheterassoziierte Blutkreislaufinfektionen) als bei konventionellen Anwendungen. Die genaue Größenordnung hängt vom eingesetzten System und der Anwenderdisziplin ab – der grundsätzliche Effekt ist aber gut belegt.

Split-Septum oder mechanisches Ventil – die zwei Bauformen

Bei nadelfreien Konnektoren gibt es zwei konstruktive Grundtypen mit unterschiedlicher Funktionsweise:

Merkmal

Split-Septum

Mechanisches Ventil

Öffnungsmechanik

geteilte Kunststoffmembran, öffnet sich unter Druck des Spritzenkonus

interne Ventilmechanik, wird durch Aufsetzen aktiviert

Konstruktion

einfach, wenige Komponenten

komplexer, mehr bewegliche Teile

Studienevidenz zur CRBSI-Reduktion

sehr gut belegt

abhängig vom Modell, teils schlechter als Split-Septum

Reinigbarkeit (Scrub the Hub)

glatte Septumoberfläche, einfach zu wischdesinfizieren

teils komplexere Oberfläche

Totraum-Volumen

typisch gering

variabel, oft höher

 

Für den Praxis-Alltag ist die Split-Septum-Bauform die pragmatische Wahl: einfach in der Handhabung, wischdesinfizierbar mit glatter Oberfläche, mit belegter CRBSI-Reduktion. Die konkrete Bauform Ihres KABL17 entnehmen Sie bitte der Produktdokumentation im Shop.

Positiver, negativer und neutraler Druckausgleich

Ein zweiter fachlicher Aspekt, der bei der Konnektor-Wahl relevant ist: Wie verhält sich das Flüssigkeitsvolumen im Katheter, wenn die Spritze wieder abgezogen wird? Drei Typen:

  • Negativverdrängung. Beim Abziehen der Spritze wird eine kleine Menge Blut in Richtung Katheterspitze zurückgezogen. Nachteil: erhöhtes Okklusions- und Infektionsrisiko durch Blutansammlung. In modernen Konnektoren nicht mehr Standard.
  • Positivverdrängung. Der Konnektor speichert beim Aufsetzen eine kleine Flüssigkeitsmenge und gibt sie beim Abziehen wieder in Richtung Patient ab – der Katheter wird "freigespült". Vorteil: reduziertes Okklusions- und Blutrückflussrisiko.
  • Neutralverdrängung. Weder Zurückziehen noch Abgeben – das Volumen im Katheter bleibt beim An- und Abkoppeln unverändert. Der aktuelle Stand der Technik, weil er weder Okklusions- noch andere Verdrängungsrisiken hat.

Die Wahl zwischen positiver und neutraler Verdrängung ist eine Fachdiskussion, in der beide Konzepte ihre Berechtigung haben. Für die konkrete Charakteristik des KABL17 verweisen wir auf die Herstellerdokumentation.

KABL17 im K.Ä.B.-Sortiment – wo er in die Systemarchitektur passt

Der KABL17 ist ein Topseller aus unserem Infusions- und Injektionsverbrauchssortiment. Er passt in eine klar strukturierte Systemarchitektur, die andere Produkte aus unserem Portfolio ergänzt:

Komponente

Funktion im System

Sicherheits-PVVK (Venflon Safety, K.Ä.B. Venotiva)

der intravaskuläre Zugang selbst mit Luer-Anschluss

Nadelfreier Konnektor KABL17

dauerhaft auf dem Luer-Anschluss der PVVK, Zugangs- und Verschlussfunktion in einem

Infusionsgerät (KIV24238 InfuG Safety)

für die kontinuierliche Infusion angeschlossen

Kombistopfen (NDCU10)

Alternative zum nadelfreien Konnektor bei einfacheren Anwendungssituationen

Fixierpflaster (Rudaven plus, Rudaven universal)

Sicherung des gesamten Zugangs an der Einstichstelle

 

Konkret: Wer einen Zugang mit häufigem Bolus-Regime hat (Onkologie, Palliativ, komplexe Antibiose), profitiert vom KABL17 gegenüber dem Kombistopfen erheblich. Für den kurzen ambulanten Zugang mit einer einzelnen Infusion und anschließender Entfernung reicht der Kombistopfen oft aus.

Wann sich der Wechsel auf den nadelfreien Konnektor rechnet

Die Vollkostenrechnung ist bei nadelfreien Konnektoren komplexer als bei einer einfachen Stopfen-Kalkulation. Vier Faktoren sind maßgeblich:

  • Anzahl der Zugangs-Wechsel bei den zu erwartenden Anwendungen – bei häufigem Bolus- und Aspirationsregime rechnet sich der Konnektor schnell
  • Personalzeit für die Nadelstich-Vorbereitung entfällt – über hunderte Anwendungen summiert sich das messbar
  • Reduzierter Verbrauch an Kanülen, Kombistopfen und Nachrüst-Material bei laufender Anwendung
  • Regulatorische Vorgaben (EU-Richtlinie 2010/32, Nadelstichverordnung Österreich): Wo Sicherheitsprodukte technisch möglich sind, sind sie einzusetzen – der nadelfreie Konnektor gehört zu dieser Kategorie

Die konkrete Wirtschaftlichkeitsrechnung hängt von der individuellen Patientenstruktur und den Anwendungsprofilen ab. Für eine Beratung zu Ihrer Einrichtung sprechen Sie unseren Innendienst an.

Anwendung in der Praxis: "Scrub the Hub" und Wechselintervall

Bei aller technischen Weiterentwicklung: Ein nadelfreier Konnektor ist nur so sicher wie die Disziplin bei zwei Handgriffen:

"Scrub the Hub" – Wischdesinfektion des Septums vor jeder Anwendung

Vor jedem Aufsetzen einer Spritze muss die Septum-Oberfläche des Konnektors mit einem alkoholischen Wischdesinfektionsmittel gründlich abgewischt werden. Faustregel: mindestens 15 Sekunden aktives Reiben mit einem Tupfer, anschließend Abtrocknen lassen. Auch wenn der Konnektor "geschlossen" wirkt – potentiell krankheitserregende Keime können sich auf der Septumoberfläche ansammeln und beim nächsten Aufsetzen ins System gelangen. "Scrub the Hub" ist Pflicht, nicht Empfehlung. Details zur Wischdesinfektion finden Sie in unserem separaten Formades-Beitrag.

Wechselintervall

Nadelfreie Konnektoren haben eine limitierte Nutzungsdauer. Die Herstellerempfehlung variiert – typisch werden Wechsel alle 72 bis 96 Stunden empfohlen, kombiniert mit dem Wechsel des Infusionssystems. Für konkrete Vorgaben zum KABL17 gilt die Herstellerangabe. Bei sichtbarer Verunreinigung, Undichtigkeit oder Verdacht auf Kontamination ist der sofortige Wechsel obligatorisch – unabhängig vom Regelintervall.

Häufige Anwendungsfehler

  • Wischdesinfektion des Septums wird ausgelassen oder zu kurz durchgeführt – die häufigste Ursache für Kontaminationsprobleme; 15 Sekunden aktives Reiben sind Pflicht
  • Nach der Wischdesinfektion wird die Spritze aufgesetzt, ohne dass das Septum abgetrocknet ist – Alkoholrückstände können ins System gelangen
  • Der Konnektor wird über das Wechselintervall hinaus benutzt – die Herstellerangabe ist bindend, nicht Empfehlung
  • Bei sichtbarer Verunreinigung wird nur gereinigt statt gewechselt – im Zweifelsfall gehört der Konnektor ausgetauscht
  • Der KABL17 wird für Anwendungen eingesetzt, für die er nicht zugelassen ist (etwa Blutdruckmessung, wenn nicht explizit freigegeben) – die Zulassungsindikationen sind zu beachten
  • Kombination mit inkompatiblen Systemen – Luer-Lock ist Standard, aber bei speziellen Applikationssystemen (Chemotherapie, CSTD) sind Kompatibilitätsangaben zu prüfen
  • Der Kanülenabwurfbehälter fehlt in Reichweite – auch bei nadelfreien Systemen gilt die TRBA-250-Vorgabe für den Kombistopfen oder eventuelle Spritzenreste, die entsorgt werden

FAQ

Was ist der praktische Unterschied zwischen Kombistopfen und nadelfreiem Konnektor?

Der Kombistopfen verschließt den Luer-Anschluss zwischen Anwendungen. Vor jeder Anwendung muss er entfernt, danach wieder aufgesetzt (oder ersetzt) werden. Der nadelfreie Konnektor bleibt permanent auf dem Zugang und erlaubt die Applikation durch das Septum hindurch. Praktische Konsequenz: Weniger Handgriffe pro Anwendung, weniger Kontaminationsrisiko, keine Nadelstichgefahr. Wirtschaftlich rechnet sich der Konnektor bei häufiger Anwendung; für seltenere Zugänge kann der Kombistopfen die pragmatischere Wahl bleiben.

Kann ich den KABL17 auf jedes PVVK-System aufsetzen?

Ja, sofern die Standard-Luer-Anschlussfassung gegeben ist. Sowohl die K.Ä.B. Venotiva als auch der BD Venflon Pro Safety und der BD SAF-T-INTIMA sind mit dem KABL17 kompatibel. Für Sondersysteme (Portsysteme, Zentralvenenkatheter mit spezifischen Anschlüssen) prüfen Sie die Herstellerangaben.

Wie oft muss der KABL17 gewechselt werden?

Nach Herstellerangabe, typisch alle 72 bis 96 Stunden zusammen mit dem Infusionssystem. Bei sichtbarer Verunreinigung, Undichtigkeit oder Verdacht auf Kontamination sofortiger Wechsel. Die konkrete Herstellervorgabe entnehmen Sie der Produktdokumentation.

Ist der KABL17 auch für die Blutabnahme geeignet?

Grundsätzlich lassen viele nadelfreie Konnektoren auch die Aspiration von Blut zu. Die konkrete Zulassung ist der Herstellerdokumentation zu entnehmen. Für die venöse Blutabnahme mit dedizierten Sets (Butterfly-Systeme wie der Unistik ShieldLock) gibt es eigene Sicherheitsprodukte, die wir in einem separaten Beitrag beschrieben haben.

Was passiert, wenn ich die Wischdesinfektion ("Scrub the Hub") auslasse?

Die Studien-Evidenz ist eindeutig: Ohne konsequente Wischdesinfektion verliert der nadelfreie Konnektor einen wesentlichen Teil seiner Schutzwirkung. Die glatte Septumoberfläche kann mikrobiell kolonisiert werden, ohne dass das visuell erkennbar ist. Beim nächsten Aufsetzen der Spritze gelangen die Erreger ins System. Konkret: Ohne "Scrub the Hub" ist der Konnektor kein Infektionsschutz mehr, sondern ein potenzieller Übertragungsweg.

Rechnet sich der Umstieg gegenüber dem Kombistopfen?

Bei häufigem Bolus- und Aspirationsregime deutlich. Ein Patient mit dreimal täglicher Bolus-Applikation braucht ohne Konnektor bis zu 21 Kombistopfen-Wechsel pro Woche – mit Konnektor bleibt ein einziger Konnektor über 3-4 Tage. Der Preisunterschied pro Stück wird durch den reduzierten Verbrauch, die Zeitersparnis und die Sicherheitsvorteile mehr als ausgeglichen. Für seltene Zugänge mit einmaliger Infusion bleibt der Kombistopfen wirtschaftlicher.

Muss das Personal auf den KABL17 geschult werden?

Für die Umstellung ist eine kurze Einweisung sinnvoll – etwa 15 Minuten pro Anwenderin mit einer Probe-Anwendung. Kernpunkte: "Scrub the Hub", Wechselintervall, sichtbare Verunreinigungserkennung. Nach der ersten Woche routinierten Einsatzes sitzt der Handgriff. Für Praxen, die den Umstieg planen, unterstützen wir gerne mit Anwendungs-Flyer oder einer Vor-Ort-Einweisung.

Bestellung und Beratung

Der nadelfreie Konnektor KABL17 ist über unseren Onlineshop unter kaeb.at/shop bestellbar. Für Rahmenverträge, die kombinierte Bestellung mit weiteren Sicherheits- und Infusionsprodukten (Sicherheits-PVVK, Infusionsgeräte, Fixierpflaster, Kanülenabwurfbehälter) oder eine Umstiegsberatung von klassischen Kombistopfen auf nadelfreie Konnektoren erreichen Sie unseren Innendienst unter +43 6245 84051 oder per E-Mail an office@kaeb.at.